Leckerli für Kaninchen und Meerschweinchen: Was das Team wissen sollte

Ernährungsberaterin Ellie Parkes spricht über ihre Forschung zu Leckerli für Kaninchen und Meerschweinchen und zeigt, wie Tierärzt*innen und TFA Besitzer*innen besser beraten können.

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In der klinischen Praxis werden Leckerli für Kaninchen und Meerschweinchen häufig nicht näher thematisiert, obwohl sie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere beeinflussen können. Für viele Halter sind Leckerli ein harmloser Genuss oder eine Möglichkeit, die Bindung zu ihrem Tier zu stärken. Allerdings sind zahlreiche im Handel erhältliche Produkte aus ernährungsphysiologischer Sicht für diese Tierarten nicht geeignet.

Angesichts des zunehmend großen und unübersichtlichen Angebots kommt Tierärzt*innen eine wichtige Rolle zu: Sie können Tierhaltende dabei unterstützen, geeignete und am Wohlbefinden ihrer Tiere orientierte Entscheidungen zu treffen. Aktuelle Untersuchungen zu handelsüblichen Leckerli für Kaninchen und Meerschweinchen zeigen in mehreren Bereichen, dass die Zusammensetzung der Produkte nicht immer den Ernährungsbedürfnissen dieser Tierarten entspricht.

Was gibt es auf dem Markt und wo liegen die Probleme? 

Der aktuelle Markt für Leckerli für Kleintiere lässt sich grob in drei Kategorien einteilen: Leckerli zur Beschäftigung, pflanzenbasierte Produkte und Leckerli zur Handfütterung. Von diesen erwiesen sich die pflanzenbasierten Produkte, die typischerweise aus Gras, Heu, getrockneten Kräutern oder Blüten bestehen, als ernährungsphysiologisch am besten geeignet für Kaninchen und Meerschweinchen. Sie können zu einer ballaststoffreichen Ernährung beitragen, die den Bedürfnissen dieser Tierarten entspricht.

Viele Beschäftigungs- und Handfütterungsprodukte enthalten dagegen Zutaten, die für pflanzenfressende Tiere ungeeignet sind, darunter Milchprodukte, Samen, Eier, Honig und zugesetzter Zucker. 

Viele Produkte zur Beschäftigung oder Handfütterung enthalten dagegen Zutaten, die für pflanzenfressende Tiere ungeeignet sind. Dazu gehören unter anderem Milchprodukte, Samen, Eier, Honig und zugesetzter Zucker. Auch wenn diese Zutaten für allesfressende Tierarten geeignet sein können, können sie bei Kaninchen und Meerschweinchen mit gesundheitlichen Problemen wie Verdauungsstörungen, Übergewicht und Zahnerkrankungen in Verbindung stehen.

Gleichzeitig sind pflanzenbasierte Produkte, obwohl sie ernährungsphysiologisch am besten geeignet sind, im Handel nach wie vor weniger stark vertreten. Stattdessen dominieren optisch ansprechendere oder besonders stark beworbene Produkte.

Probleme bei der Kennzeichnung

Auch die Produktkennzeichnung kann für Tierhaltende eine Herausforderung darstellen. Bei etwa einem Drittel der untersuchten Produkte waren die Nährwertangaben nicht vollständig, sodass Tierhalter die Eignung des jeweiligen Produkts nur schwer beurteilen konnten. Zudem wurden Marketingbegriffe wie „natürlich“ uneinheitlich verwendet. Sie können somit den Eindruck erwecken, dass ein Produkt für Kaninchen und Meerschweinchen geeignet ist, obwohl die Zutatenliste dies nicht unbedingt bestätigt. So können beispielsweise Zutaten wie Honig oder Trockenobst als „natürlich“ wahrgenommen werden, sind aber nicht zwangsläufig für Tierarten mit einem hoch spezialisierten Verdauungssystem geeignet.

Aus klinischer Sicht ist das problematisch: Tierhaltende treffen ihre Entscheidungen häufig in einem Markt, dessen Produkte nicht durchgängig mit etablierten Ernährungsgrundsätzen für diese Tierarten übereinstimmen.

Wahrnehmung und Verhalten der Tierhaltenden

Erfreulicherweise scheint das Bewusstsein der Tierhalter für die Ernährung ihrer Tiere relativ ausgeprägt zu sein. Viele achten bei der Auswahl von Leckerli auf gesundheitliche Vorteile, die Qualität der Inhaltsstoffe und eine natürliche Zusammensetzung. Untersuchungen zeigen, dass 86 % vor dem Kauf gezielt die Zutatenliste lesen.

Leckerli werden am häufigsten zur Beschäftigung, zur Stärkung der Bindung oder als Belohnung eingesetzt. 50 % der Besitzer*innen bieten sie täglich an. Produkte auf Gras- und Heubasis sowie getrocknete Kräuter und Blüten kommen generell gut an und werden bevorzugt.

 Auch gut informierte Tierhaltende können Schwierigkeiten haben, sich zwischen irreführenden Kennzeichnungen, unklaren Werbeaussagen und der Vielzahl ungeeigneter Produkte zurechtzufinden, die als „für alle Kleintiere“ vermarktet werden. 

Trotzdem klaffen Anspruch und tatsächliche Auswahl teilweise auseinander. Selbst gut informierte Tierhalter können Schwierigkeiten haben, sich zwischen irreführenden Kennzeichnungen, unklaren Werbeaussagen und einer Vielzahl ungeeigneter Produkte zurechtzufinden, die als „für alle Kleintiere“ vermarktet werden.

Die Rolle des Teams

Bei der großen Auswahl an Produkten kann es für Besitzer*innen schwierig sein, zu erkennen, welche Leckerli tatsächlich für Kaninchen und Meerschweinchen geeignet sind. Tierärzt*innen können hier mit praxisnaher, evidenzbasierter Beratung unterstützen und Tierhaltenden helfen, eine geeignete Auswahl zu treffen.

Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

  • Inhaltsstoffe genau prüfen: Ermutigen Sie Besitzer*innen, über die Angaben auf der Vorderseite der Verpackung hinauszuschauen und die Zusammensetzung zu prüfen. Inhaltsstoffe wie Milchprodukte, Samen, Getreide und zugesetzter Zucker sollten kritisch hinterfragt werden.
  • „Natürlich“ nicht mit „artgerecht“ gleichsetzen: Helfen Sie Tierhaltenden zu verstehen, dass ein als „natürlich“ beworbenes Produkt nicht automatisch für Kaninchen und Meerschweinchen geeignet ist. Erläutern Sie, was eine artgerechte Ernährung in der Praxis ausmacht.
  • Futter als Grundlage: Empfehlen Sie Leckerli auf Gras- oder Heubasis und machen Sie deutlich, dass diese die Grundnahrung ergänzen aber nicht ersetzen.
  • Häufigkeit und Zweck besprechen: Leckerli werden häufig täglich gegeben. Umso wichtiger ist es, auf die Menge zu achten und sie gezielt einzusetzen, beispielsweise zur Beschäftigung oder zur Stärkung der Bindung, ohne die Ernährung zu beeinträchtigen.
  • Bei Produkten für „alle Kleintiere“ genau hinschauen: Produkte, die für „alle Kleintiere“ vermarktet werden, sind selten speziell auf die Bedürfnisse von Kaninchen und Meerschweinchen abgestimmt. Eine artspezifische Auswahl ist daher besonders wichtig.

Den sinnvollen Einsatz von Leckerli fördern

Bei Kaninchen und Meerschweinchen sollten Leckerli eine ballaststoffreiche Ernährung auf Basis von hochwertigem Heu oder Gras ergänzen und nicht ersetzen. Produkte auf Raufutterbasis, beispielsweise aus getrocknetem Gras, Kräutern oder Blüten, sind in der Regel die beste Wahl. Sie liefern wichtige Nährstoffe und unterstützen gleichzeitig das natürliche Fressverhalten.

Produkte auf Raufutterbasis, etwa aus getrocknetem Gras, Kräutern und Blüten, sind in der Regel die geeignetste Wahl. Sie unterstützen sowohl die Ernährung als auch das natürliche Fressverhalten.

Leckerli können eine sinnvolle Beschäftigung bieten und zur Bindung zwischen Tier und Halter*in beitragen. Die Auswahl geeigneter Produkte kann angesichts des aktuellen Angebots jedoch eine Herausforderung sein. Mit klaren und praxisnahen Empfehlungen können tiermedizinische Teams Besitzer*innen dabei unterstützen, Marketingversprechen kritisch zu hinterfragen und geeignete Leckerli auszuwählen. So lässt sich dazu beitragen, die Ernährung und langfristig auch die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kaninchen und Meerschweinchen zu unterstützen.