Zahnmedizin in der Tierarztpraxis: ohne TFA geht nichts

Wie Tiermedizinische Fachangestellte Zahnbehandlungen effizient unterstützen und zu reibungslosen Abläufen im Praxisalltag beitragen.

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Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Haustieren.
Aus diesem Grund haben wir mit einer erfahrenen tiermedizinischen Fachangestellten über Zahnpflege bei Haustieren und die wichtige Rolle der TFA bei zahnmedizinischen Behandlungen in der Tierarztpraxis gesprochen.

1. Aufklärung der Besitzer*innen

Eine fundierte Aufklärung der Besitzer*innen spielt eine entscheidende Rolle. Informierte Tierhalter*innen erkennen Anzeichen von Zahnerkrankungen früher, achten stärker auf die orale Gesundheit ihrer Tiere und verstehen daher besser, weshalb eine Behandlung sinnvoll oder erforderlich sein kann.

Zahnbürsten

Eine der wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist regelmäßiges Zähneputzen. Besitzer*innen müssen jedoch verstehen, warum Zahnpflege wichtig ist und wie sie richtig durchgeführt wird. Ziel ist es, die Zahnoberflächen regelmäßig zu reinigen, bevor sich Plaque und Zahnstein bilden. Idealerweise sollte täglich geputzt werden.

Besonders sinnvoll ist es, Besitzer*innen bereits bei Welpen und jungen Katzen an die Zahnpflege heranzuführen. Mit positiver Bestärkung lässt sich Zähneputzen früh etablieren und langfristig gut in den Alltag integrieren. Nach einer zahnmedizinischen Behandlung sollte die Mundhygiene fester Bestandteil der Nachsorge sein.

Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates.
Sie entwickelt sich in zwei Stadien: Zunächst entsteht eine Gingivitis, eine reversible Entzündung des Zahnfleisches. Bleibt diese unbehandelt, kann sie in eine Parodontitis übergehen, bei der auch tiefere Strukturen wie das parodontale Ligament und der Kieferknochen betroffen sind.

Auslöser ist bakterieller Zahnbelag (Plaque), der sich bereits innerhalb von 24 Stunden auf sauberen Zähnen bildet, wenn er nicht entfernt wird. Hier spielt die Aufklärung der Tierhalter*innen eine entscheidende Rolle. Regelmäßiges Zähneputzen ist eine der effektivsten Maßnahmen, um das Fortschreiten von Zahnerkrankungen zu verlangsamen. Ziel ist es, die Zahnoberflächen regelmäßig zu reinigen, bevor sich Plaque zu Zahnstein verhärtet. Da sich Plaque schnell bildet, ist tägliches Zähneputzen ideal.

Überwachung von Schmerzen im häuslichen Umfeld

Tierhalter*innen sollten von der TFA angeleitet werden, auf typische klinische Anzeichen oraler Schmerzen zu achten. Dazu zählen insbesondere:

  • Halitosis
  • Gingivitis
  • Hypersalivation
  • Gingivale Blutungen, z. B. nach Futteraufnahme oder Spiel
  • Pfoten am Maul oder Reiben des Gesichts
  • Gewichtsverlust
  • Verhaltensveränderungen, wie sie bei chronischen Schmerzzuständen auftreten
  • Fressprobleme, z. B. reduzierte Futteraufnahme, einseitiges Kauen oder das Vermeiden bestimmter Futterkonsistenzen

Dabei ist wichtig zu vermitteln, dass das Fehlen klinischer Symptome eine Parodontalerkrankung nicht ausschließt. Parodontale Erkrankungen können insbesondere bei futteraffinen Tieren lange unentdeckt bleiben und diese Tiere zeigen häufig nur milde oder unspezifische klinische Anzeichen. Regelmäßige zahnmedizinische Kontrollen sind daher essenziell.

2. Regelmäßige Kontrolle der Zahngesundheit

Kontrollen sollten idealerweise einmal jährlich im Rahmen einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung, ggf. in Kombination mit möglichen Impfungen, durchgeführt werden. Allerdings gibt es auch Haustiere, die aufgrund individueller Risikofaktoren engmaschigere Kontrollen benötigen.

Auch wenn TFA keine medizinische Diagnose stellen dürfen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur zahnmedizinischen Versorgung. Sie sind qualifiziert, eine strukturierte klinische Anamnese zu erheben sowie validierte Instrumente und anerkannte Scoring-Systeme einzusetzen, um die Zahngesundheit von Haustieren systematisch zu erfassen, zu überwachen und zu bewerten.

Im Folgenden wird aufgezeigt, wie TFA die tierärztliche Praxis gezielt bei der Zahnuntersuchung unterstützen können:

Wie man einen Zahncheck durchführt

Zahnerkrankungen können erhebliche systemische Auswirkungen auf Haustiere haben. Daher sollte eine Zahnuntersuchung stets ganzheitlich erfolgen. Dazu gehört eine umfassende Anamnese, die den allgemeinen Gesundheitszustand, die Ernährung, die Krankengeschichte, den Body Condition Score (BCS), das Körpergewicht sowie eine vollständige klinische Untersuchung von der Nase bis zum Schwanz umfasst. Diese schließt auch die Auskultation von Herz und Lunge ein.

Diese Informationen sind nicht nur für die kontinuierliche Aufklärung der Besitzer*innen von großer Bedeutung, sondern auch ein entscheidender Faktor, falls zur Behandlung einer Parodontalerkrankung eine Allgemeinanästhesie erforderlich wird.

Orale Untersuchung

Im Rahmen der oralen Beurteilung kann eine TFA zunächst eine äußere Untersuchung durchführen, um mögliche Schwellungen im Gesichtsbereich oder schmerzhafte Areale zu erkennen. Sofern das Tier kooperativ ist und die Untersuchung sicher durchgeführt werden kann, folgt eine intraorale Sichtuntersuchung. Dabei dient ein Zahnschema für Hunde und Katzen der strukturierten Erfassung und Dokumentation der Befunde.

Die Aufgabe der TFA liegt hierbei in der systematischen Sichtkontrolle, der Erkennung auffälliger Veränderungen sowie der nachvollziehbaren Dokumentation. Eine medizinische Bewertung, Diagnosestellung oder Therapieentscheidung erfolgt ausschließlich durch Tierärzt*innen.

Visuelle Beurteilung umfasst unter anderem:

  • Farbe der Gingiva
  • Anzeichen von Entzündungen oder Gingivitis
  • Hinweise auf Infektionen (z. B. eitriger Ausfluss, Abszesse)
  • Zahnfleischrückgang
  • Frakturen des Zahnschmelzes
  • Zahnschmelzdefekte
  • Verfärbungen einzelner Zähne
  • Freiliegende Pulpa
  • Sichtbar bewegliche Zähne
  • Fehlende Zähne
  • Zahnfehlstellungen (z. B. Unterbiss)
  • Weitere pathologische Befunde wie Umfangsvermehrungen, Epuliden oder andere Veränderungen

Einsatz von Skalen zur Beurteilung parodontaler Erkrankungen

Der Schweregrad parodontaler Erkrankungen kann mithilfe des Parodontalen Screening Index (0–4) eingeschätzt werden. Diese Einschätzung dient der Einordnung des Befundes und kann Hinweise auf das Ausmaß der Erkrankung geben. Die Erkrankung kann lokalisiert oder generalisiert auftreten.

Die durch die TFA erhobenen Indexwerte stellen eine unterstützende Entscheidungsgrundlage dar, ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnosestellung. Die abschließende Bewertung des parodontalen Status sowie die Entscheidung über weiterführende diagnostische Maßnahmen liegen bei der Tierärztin oder dem Tierarzt.

  • Stadium 0 - keine Erkrankung
  • Stadium 1 (PD1) - Gingivitis - reversibel, kein Attachmentverlust (AL*)
  • Stadium 2 (PD2) - Taschentiefe <3.5mm
  • Stadium 3 (PD3) - Taschentiefe 3.5 -<5.5mm
  • Stadium 4 (PD4) - Taschentiefe >5.5mm AL wird in der Regel am besten anhand von Messungen mit einer Parodontalsonde und intraoralen Röntgenbildern bestimmt

Es gibt außerdem einen Plaque- und Gingiva-Index, der üblicherweise auf einer Skala von 0 bis 3 eingeschätzt wird. Diese Werte müssen von TFA und Tierärzt*innen unter Vollnarkose wiederholt werden, da eine Sondierung erforderlich ist, um Blutungen bei der Sondierung zu überprüfen.

  • 0 = Kein Plaque
  • 1 = Dünner Film entlang des Zahnfleischrandes, der < 1/3 der bukkalen Zahnoberfläche bedeckt
  • 2 = Mäßige Ansammlung von Plaque, die 1/3 bis 2/3 der bukkalen Zahnoberfläche bedeckt
  • 3 = Reichlich weicher Plaque, der > 2/3 der bukkalen Zahnoberfläche bedeckt
  • 0 = normale Gingiva
  • 1 = Geringe Gingivitis, leichte Schwellung, leichte Farbveränderung, kein Bleeding on Probing (BOP)
  • 2 = Mäßige Schwellung und Entzündung der Gingiva, BOP
  • 3 = Starke Schwellung und Entzündung, spontane Blutung

     

    Rolle 3: Zahnbehandlung und Zahnchirurgie

    Ein weiterer Bereich, in dem zahnmedizinisch interessierte TFA die Praxis unterstützen können, ist natürlich die Zahnbehandlung selbst. Werfen wir einen Blick auf die Rolle der TFA in der tierärztlichen Zahnchirurgie.

    Informieren der Besitzer*innen

    Um das Verständnis der Kund*innen zu fördern und eine Einwilligung der Besitzer*innen zu gewährleisten, kann die Tierarztpraxis ein "präoperatives Informationsblatt" erstellen, das vor dem zahnärztlichen Eingriff ausgehändigt wird. Idealerweise sollte dies bereits vor dem Operationstag geschehen, um die Besitzer*innen nicht zu überfordern. Tierarztpraxen können E-Mail, Apps und Messenger-Dienste nutzen, um Handouts zu versenden, oder sie bei der zahnärztlichen Untersuchung durch die TFA oder Tierärzt*in aushändigen. Es kann von TFA auch erwartet werden, dass sie einen Kunden anrufen, um diese präoperativen Informationen weiterzugeben, z. B. wenn ein Kunde nicht in der Lage ist, das Handout zu lesen.

    Aufnahmetermin

    Viele Patienten benötigen eine Zahnbehandlung unter Narkose. Sobald die Diagnose gestellt und ein Termin vereinbart ist, werden die TFA häufig aufgefordert, einen Patienten stationär aufzunehmen. Um eine Einwilligung der Besitzer zu gewährleisten, sollten TFA das Verfahren noch einmal erklären und in Rücksprache einen umfassenden Kostenvoranschlag erstellen. Die Besitzer*innen sollten immer kontaktiert werden, wenn sich der Kostenvoranschlag oder der Behandlungsplan ändert, damit sie über das laufende Geschehen informiert sind.

    Planung der Allgemeinanästhesie

    Wie bei jeder Allgemeinanästhesie muss das klinische Veterinärteam das Protokoll für den Patienten planen, um sicherzustellen, dass die drei Prinzipien der Anästhesie (Hypnose/Amnesie/Bewusstlosigkeit, Analgesie und Muskelentspannung) abdeckt sind und die Anästhesie für den einzelnen Patienten sicher ist. Falls dies noch nicht geschehen ist, kann es hilfreich sein, das ASA-Klassifikationssystem zur Abschätzung des perioperativen Risikos zu verwenden.

    Aufrechterhaltung und Überwachung der Allgemeinanästhesie

     

    Ein Bereich, in dem TFA bereits gut eingesetzt werden, ist die Delegation der Narkoseeinleitung, -erhaltung und -überwachung.

    Zahnärztliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen und Zahnreinigung

    Während der Patient in Narkose ist, können die TFA auch folgende Aufgaben übernehmen:

    • eine erste orale Untersuchung durchführen
    • Diktieren von Diagrammen
    • Zahnärztliche Röntgenbilder anfertigen
    • die Mundhöhle für den Eingriff vorbereiten
    • Durchführung der Zahnreinigung

    • Wie bei der Aufrechterhaltung und Überwachung der Anästhesie können TFA diese Arbeiten nur unter der Leitung einer Tierärztin/eines Tierarztes durchführen, der über den angemessenen Grad der Überwachung entscheiden muss. Dies kann es kompetenten TFA jedoch ermöglichen, große Teile der tierärztlichen Zahnbehandlungen durchzuführen. TFA können jedoch keine Zahnextraktion eigenständig durchführen, da dies einen chirurgischen Eingriff darstellt.

    Schlussfolgerung

    Tiermedizinische Fachangestellte sind bei zahlreichen Aspekten der Aufklärung und Behandlung von Parodontalerkrankungen von entscheidender Bedeutung. Durch angemessene Delegation und Zusammenarbeit mit dem tierärztlichen Team können die die Fähigkeiten und das Wissen einer TFA sinnvoll genutzt werden, um die Tierärztin oder den Tierarzt zu entlasten. Dies steigert nicht nur die Effizienz, sondern bietet Besitzer*innen auch einen umfassenderen Service.

     

    Wenn Sie von Robyns Gedanken zur Zahnpflege durch TFA inspiriert wurden, warum machen Sie dann nicht eine Fortbildung für TFA in Zahnmedizin? Unser Zertifikat für TFA in der Zahnmedizin vermittelt Ihnen das Wissen und die Fähigkeiten, die Sie brauchen, um mehr zahnärztliche Aufgaben in Ihrer Praxis zu übernehmen und die Versorgung Ihrer Patienten zu verbessern.

     

    Weitere Lektüre

    • Stella JL, Bauer AE, Croney CC. Eine Querschnittsstudie zur Schätzung der Prävalenz von Parodontalerkrankungen in einer Population von Hunden (Canis familiaris) in kommerziellen Zuchtanlagen in Indiana und Illinois. PLoS One. 2018;13(1):e0191395. doi:10.1371/journal.pone.0191395
    • Niemiec B, Gawor J, Nemec A, et al. World Small Animal Veterinary Association global dental guidelines. J Small Anim Pract. 2020;61(7):E36-E161. https://doi.org/10.1111/jsap.13132