Stellen Sie sich folgendes klinisches Szenario vor: Ein Dackel wird mit akut aufgetretener Paraplegie vorgestellt, und Sie vermuten eine Bandscheibenextrusion im Bereich T3–L3. Vor einer geplanten Hemilaminektomie stellt sich die Frage, ob die Computertomografie (CT) im Vergleich zur Magnetresonanztomografie (MRT) eine zuverlässige Methode zur Diagnosestellung und Operationsplanung bei thorakolumbalen Bandscheibenvorfällen des Hundes ist.
Evidenzlage
Vier Studien wurden kritisch bewertet: zwei prospektive und zwei retrospektive Untersuchungen.
Prospektive Studien
Cooper et al. (2014) verglichen bei 44 Hunden direkt die Sensitivität von MRT und CT zur Diagnose thorakolumbaler Bandscheibenerkrankungen. Die MRT zeigte mit 98,5 Prozent eine höhere Sensitivität für die Erkennung von Bandscheibenvorfällen als die CT mit 88,6 Prozent. Auch bei der Lokalisation der Bandscheibenvorfälle war die MRT genauer (93,2 Prozent gegenüber 84,1 Prozent). Gleiches galt für die Unterscheidung zwischen Bandscheibenprotrusion und -extrusion (94,4 Prozent gegenüber 85,7 Prozent) sowie für die Lateralisierung der Läsion (95 Prozent gegenüber 69,9 Prozent).
Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass CT-positive und MRT-negative Bandscheibenvorfälle nicht berücksichtigt wurden. Dadurch war kein vollständiger Vergleich der beiden Verfahren hinsichtlich der Charakterisierung der Läsionen möglich.
Bei drei der acht Fälle zeigten sich in der CT-Myelographie das „Golf-Tee-Zeichen“ sowie subarachnoidale Füllungsdefekte. Dies spricht dafür, dass die Methode intradurale Bandscheibenvorfälle möglicherweise zuverlässiger erkennen kann.
Tamura et al. (2015) untersuchten acht Hunde mit chirurgisch bestätigten intraduralen Bandscheibenvorfällen. Drei Hunde wurden mittels CT-Myelographie untersucht, fünf mittels MRT.
Die MRT führte in allen Fällen zu einer Fehldiagnose, da die intraduralen Bandscheibenvorfälle nicht erkannt und und als gewöhnliche Bandscheibenvorfälle interpretiert wurden. In drei von acht Fällen zeigten sich in einer CT-Myelographie das sogenannte Golf-Tee-Zeichen sowie subarachnoidale Füllungsdefekte. Diese spricht dafür, dass die CT-Myelographie bei der Erkennung intraduraler Bandscheibenvorfälle sensitiver sein können.
Wichtige Einschränkungen dieser Studie sind, dass MRT- und CT-Untersuchungen nicht am selben Tier durchgeführt wurden und daher kein direkter Vergleich möglich war. Zudem wurde die MRT mit einem Niedrigfeldscanner durchgeführt. Bei Verwendung eines Hochfeld-MRT könnten die Ergebnisse anders ausfallen.
Retrospektive Studien
Emery et al. (2018) untersuchte 555 Hunde, die eine CT-Untersuchung erhalten hatten. Bewertet wurde dabei, ob eine zusätzliche Bildgebung zur Diagnosestellung einer thorakolumbalen Myelopathie erforderlich war. Bei Dackeln war die Wahrscheinlichkeit für weiterführende Bildgebung nach einem nativen CT am geringsten: Nur 12 von 335 Hunden (3,6 Prozent) benötigten zusätzliche Untersuchungen, im Vergleich zu 30 von 220 Hunden anderer Rassen (13,6 Prozent).
Als Gründe für die weiterführende Bildgebung wurden unter anderem unauffällige CT-Befunde oder mehrere im CT sichtbare Bandscheibenvorfälle genannt, was die Abgrenzung akuter und chronischer Läsionen erschweren kann. Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass die Genauigkeit der Lokalisation und Lateralisierung der Läsionen nicht untersucht wurde und somit nicht beurteilt werden kann.
Ein unauffälliger CT-Befund oder das Vorliegen mehrerer im nativen CT sichtbarer Bandscheibenvorfälle wurden häufig als Gründe für eine weiterführende Bildgebung genannt.
In der letzten Studie (Noyes et al., 2017) wurden 40 Hunde sowohl mittels CT als auch MRT untersucht, um den Einfluss der Bildgebung auf die präoperative Planung einer Hemilaminektomie zu vergleichen. Dabei zeigte sich eine große Variabilität zwischen den Beurteilern hinsichtlich der Einschätzung von Lokalisation, Seite und Ausmaß des geplanten Laminektomiezugangs für beide Modalitäten.
Unabhängig davon planten alle Untersucher auf Basis der MRT einen größeren Laminektomiezugang als auf Basis der CT. In allen Fällen konnten die Läsionen mittels MRT sicher identifiziert werden; in vier Fällen wurden sie jedoch in der CT-Bildgebung nicht erkannt.
Eine Einschränkung dieser Studie besteht darin, dass keine statistische Analyse durchgeführt wurde, um die Zuverlässigkeit von CT und MRT bei der Läsionslokalisation direkt zu vergleichen.
Schlussfolgerung
Insgesamt zeigt die verfügbare Evidenz, dass die MRT eine höhere Sensitivität bei der Erkennung von Bandscheibenerkrankungen beim Hund aufweist als die kontrastfreie CT. Eine wichtige Ausnahme betrifft thorakolumbale intraduraler Bandscheibenvorfälle: In den eingeschlossenen Studien wurde diese mittels Niederfeld-MRT im Vergleich zur CT-Myelographie nicht zuverlässig erkannt.
Die kontrastfreie CT scheint insbesondere bei einem Großteil der Dackel ein geeignetes bildgebendes Verfahren zur Diagnostik von Bandscheibenerkrankungen sowie zur Unterstützung der Operationsplanung zu sein.
Vor der Entscheidung für eine der beiden bildgebenden Methoden sollten sowohl der diagnostische Anlass als auch die Wahrscheinlichkeit alternativer Differenzialdiagnosen berücksichtigt werden.
Die Evidenzlage ist insgesamt moderat. Systemische Übersichtsarbeiten oder Meta-Analysen zu diesem Thema fehlen bislang.
Die Wahl der Bildgebung sollte immer anhand der klinischen Fragestellung (z.B. Operationsplanung) getroffen werden. Wichtig sind bei der geplanten Therapie, relevante Differenzialdiagnosen wie Wirbelsäulenneoplasie, die Verfügbarkeit der Geräte, Kosten, Untersuchungsdauer sowie Notwendigkeit einer Allgemeinanästhesie.
| Die vollständige Knowledge Summary kann in der Open-Access-Zeitschrift Veterinary Evidence des RCVS Knowledge nachgelesen werden. |
