Der Erwerb eines Postgraduierten-Zertifikats erfordert viel Engagement und Einsatz. Wer es geschafft hat, kann stolz auf sich sein. Gleichzeitig kann es der Auslöser für Veränderungen sein und Ihnen den Weg zu einer tierärztlichen Karriere ebnen, die Sie lieben.
In diesem Artikel zeigen wir, wie Sie Ihr Postgraduierten-Zertifikat als Schlüssel zu neuen Karrieremöglichkeiten nutzen können. Ganz gleich, ob Sie
- sich mehr Abwechslung im Berufsalltag wünschen,
- Ihre Arbeitszeiten anpassen,
- Ihre Work-Life-Balance verbessern oder
- sich auf ein Fachgebiet spezialisieren möchten, das Ihnen besonders am Herzen liegt
Wir stellen Ihnen zahlreiche Ideen vor, wie Sie Ihre Zusatzqualifikation gezielt einsetzen können, um die tierärztliche Karriere zu gestalten, die Sie anstreben.
Unabhängig davon, mit welchen Zielen Sie Ihre tierärztliche Laufbahn begonnen haben, können sich Ihre Wünsche, Prioritäten und Bedürfnisse im Laufe Ihrer Karriere verändert haben.
1. Gründen Sie einen ambulanten tierärztlichen Dienst mit Schwerpunkt auf dem, was Sie lieben
Wenn Ihnen die Allgemeinmedizin zu eintönig ist und Sie sich nach anspruchsvolleren Fällen sehnen, in denen Sie Ihre neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen können, könnte die Gründung eines eigenen ambulanten tierärztlichen Dienstes eine attraktive Option sein. So betreuen Sie gezielt die Fälle, die Sie interessieren, besuchen mehrere Praxen in Ihrer Region und gewinnen gleichzeitig mehr Kontrolle über Ihre Arbeitszeiten und Ihre Work-Life-Balance.
Wenn Sie ein Zertifikat in der Augenheilkunde besitzen, sind Sie möglicherweise etwas müde davon, vor allem Bindehautentzündungen oder trockene Augen zu behandeln. Ein eigener ambulanter Dienst kann Ihnen Zugang zu anspruchsvolleren Fällen verschaffen, die Ihren fachlichen Interessen entsprechen.
Ähnlich verhält es sich mit einem Zertifikat in Dermatologie: In der allgemeinen Praxis kann die Arbeit frustrierend sein, wenn Tierhalter*innen schnelle Lösungen erwarten und eine umfassende Diagnostik ablehnen. Mit einem spezialisierten dermatologischen Dienst wissen Kund*innen hingegen, dass sie gezielt in die Lösung des Problems ihres Tieres investieren. Dadurch stoßen notwendige Untersuchungen deutlich seltener auf Widerstand.
2. Annahme interner und externer Überweisungen zur Steigerung der Fallzahl
Wenn Sie Ihren fachlichen Interessen und Ihrer Leidenschaft nachgehen möchten, ohne Ihre aktuelle Praxis zu verlassen, können Sie Ihrem Team signalisieren, dass Sie gerne interne Überweisungen für entsprechende Fälle übernehmen. So steigern Sie nicht nur Ihre eigene Auslastung, sondern geben auch Ihren Kolleg*innen mehr Sicherheit in der Fallsteuerung und ermöglichen Ihren Patienten eine bessere Versorgung.
Darüber hinaus können Sie benachbarte Praxen darüber informieren, dass Sie für externe Überweisungen oder Zweitmeinungen zur Verfügung stehen: ein wichtiger Schritt, um Ihren fachlichen Ruf in der Region weiter auszubauen.
Sie können außerdem benachbarte Praxen darüber informieren, dass Sie externe Überweisungen oder Zweitmeinungen annehmen: ein wichtiger Schritt, um sich in der Region einen guten Ruf aufzubauen.
3. Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen mit Ihrem Postgraduierten-Zertifikat
Viele Menschen entscheiden sich für ein Postgraduiertenstudium in einem Fachgebiet, das sie besonders interessiert und begeistert. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, eine zusätzliche Qualifikation zu erwerben. Vielleicht haben Sie sich bewusst für einen Bereich entschieden, in dem Sie sich bislang unsicher fühlen oder Ihre eigenen Fähigkeiten hinterfragen.
Die gute Nachricht: Wenn Sie ein Zertifikat in einem Ihrer schwächeren Fachgebiete erwerben, müssen Sie weder den Arbeitsplatz wechseln noch grundlegende Veränderungen vornehmen, um davon zu profitieren. Ihr neu erworbenes Wissen und Ihre Fähigkeiten stärken Ihr Selbstvertrauen und helfen Ihnen, dem sogenannten Hochstapler-Syndrom entgegenzuwirken.
4. Gezielt auf passende Stellen bewerben
Welche Vorstellungen hatten Sie vor dem Abschluss Ihres Studiums als Tierärzt*in oder TFA? Sahen Sie sich in der Allgemeinmedizin oder eher als Spezialist*in? Unabhängig von Ihren ursprünglichen Plänen können sich Ziele, Wünsche und Bedürfnisse im Laufe der praktischen Tätigkeit verändern. Ein Postgraduierten-Zertifikat kann Ihnen helfen, diese neue berufliche Vision umzusetzen. So kann beispielsweise ein Zertifikat in Notfall- und Intensivmedizin oder in ein Zertifikat für Innerer Medizin der Kleintiere besonders wertvoll sein, wenn Sie Ihre Arbeitszeiten flexibler gestalten und vermehrt abends, nachts oder am Wochenende arbeiten möchten.
5. Mentor für Ihre Kolleg*innen
Was bereitet Ihnen an Ihrer aktuellen Tätigkeit besonders Freude? Wenn Sie darin aufgehen, weniger erfahrene Teammitglieder anzuleiten, lohnt es sich, mit Ihrem Arbeitgeber über die Einführung einer formellen Mentor*innenrolle zu sprechen. Sind Sie ansprechbar, geduldig und engagiert, kann eine solche Rolle Ihren Arbeitsalltag bereichern und zu mehr persönlicher Erfüllung beitragen. Entdecken Sie Freude an der Arbeit als Mentor*in, kann dies zudem ein erster Schritt in Richtung einer späteren Tätigkeit in der Lehre sein.
6. Halten Sie Ausschau nach Möglichkeiten als Referent*in
Wenn Sie mit Ihrem aktuellen klinischen Arbeitspensum zufrieden sind, sich aber mehr Abwechslung im Berufsalltag wünschen, kann eine Tätigkeit als Referent*in eine spannende Ergänzung sein. Ein Postgraduierten-Zertifikat erleichtert den Einstieg erheblich, da es Ihre fachliche Expertise unterstreicht. Vorträge, etwa auf Fortbildungen oder kleineren Konferenzen, bieten die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu knüpfen, Ihren fachlichen Ruf zu stärken und nicht-klinische Kompetenzen weiterzuentwickeln. Auch wenn Sie nicht sofort auf einer großen Veterinärkonferenz sprechen werden, lässt sich dieser Weg schrittweise aufbauen.
Wenn Sie unsicher sind, wo Sie beginnen sollen, kann ein eigener Podcast oder ein anderes Content-Format zu Ihrem Fachgebiet ein guter Einstieg sein, um Sichtbarkeit zu gewinnen und erste Erfahrungen zu sammeln.
Vorträge auf Kongressen zu halten ist eine hervorragende Möglichkeit, sich zu vernetzen, den eigenen fachlichen Ruf aufzubauen und nicht-klinische Kompetenzen weiterzuentwickeln.
7. Publizieren Sie als Expert*in in Fachzeitschriften Ihres Fachgebiets
Wenn Sie sprachlich versiert sind und Freude am wissenschaftlichen Schreiben haben, können Sie Fachzeitschriften gezielt ansprechen – unabhängig davon, ob Sie kurze Mitteilungen oder Meinungsbeiträge verfassen möchten. Mit zunehmender Veröffentlichungserfahrung und wachsender Sichtbarkeit steigen auch die Chancen, aktiv für weitere Beiträge angefragt zu werden – ähnlich wie bei Rednertätigkeiten.
Dabei müssen Sie sich nicht auf klassische Fachzeitschriften beschränken: Auch andere veterinärmedizinische Kommunikationsformate bieten attraktive Möglichkeiten zur Mitarbeit. Wenn Sie Interesse haben, einen Beitrag zu Ihrem Fachgebiet in unserer klinischen Bibliothek zu veröffentlichen, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.
8. Lernen Sie weiter
Für viele ist der Erwerb eines Postgraduierten-Zertifikats das angestrebte Ziel, um ihre beruflichen Ambitionen zu erreichen. Nach dem Abschluss stellen jedoch manche fest, dass sie sich noch nicht „am Ziel“ fühlen – im Gegenteil: Oft wird dadurch erst die Lust auf weiteres Lernen geweckt.
Wenn das auf Sie zutrifft, könnten zusätzliche Qualifikationen wie ein weiterführendes tierärztliches Zertifikat, ein professioneller Master oder ein Postgraduierten-Diplom für Sie infrage kommen. Alternativ bietet auch eine Position in einem Lehrkrankenhaus die Möglichkeit, klinische Tätigkeit, Lehre und Weiterbildung miteinander zu verbinden.
Gerne können Sie einen Termin mit unseren Kursberater*innen vereinbaren, um mehr über Ihre individuellen Weiterbildungsmöglichkeiten zu erfahren.
Zusammenfassung
Die ideale Karriere in der Tiermedizin sieht für jede*n anders aus. Mit einem Postgraduierten-Zertifikat können Sie Ihr Arbeitspensum und Ihre Work-Life-Balance so gestalten, dass Sie sich erfüllt und energiegeladen statt ausgebrannt oder gestresst fühlen.
Gestalten Sie Ihre Karriere in der Tiermedizin aktiv mit unseren Postgraduierten-Zertifikatsprogrammen der Tiermedizin.
Autor*in
Hannah qualified from the Royal Veterinary College in 2011 and initially worked in a busy mixed practice before moving to a smaller practice and then to the locum life. She has interests in soft tissue surgery and dentistry, and is also passionate about human factors and workplace culture, leading to her work as Client Relationship Lead at VetLed.
