Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Haustieren.
Aus diesem Grund haben wir mit einer erfahrenen tiermedizinischen Fachangestellten über Zahnpflege bei Haustieren und die wichtige Rolle der TFA bei zahnmedizinischen Behandlungen in der Tierarztpraxis gesprochen.
Eine fundierte Aufklärung der Besitzer*innen spielt eine entscheidende Rolle. Informierte Tierhalter*innen erkennen Anzeichen von Zahnerkrankungen früher, achten stärker auf die orale Gesundheit ihrer Tiere und verstehen daher besser, weshalb eine Behandlung sinnvoll oder erforderlich sein kann.
Eine der wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist regelmäßiges Zähneputzen. Besitzer*innen müssen jedoch verstehen, warum Zahnpflege wichtig ist und wie sie richtig durchgeführt wird. Ziel ist es, die Zahnoberflächen regelmäßig zu reinigen, bevor sich Plaque und Zahnstein bilden. Idealerweise sollte täglich geputzt werden.
Besonders sinnvoll ist es, Besitzer*innen bereits bei Welpen und jungen Katzen an die Zahnpflege heranzuführen. Mit positiver Bestärkung lässt sich Zähneputzen früh etablieren und langfristig gut in den Alltag integrieren. Nach einer zahnmedizinischen Behandlung sollte die Mundhygiene fester Bestandteil der Nachsorge sein.
Tierhalter*innen sollten von der TFA angeleitet werden, auf typische klinische Anzeichen oraler Schmerzen zu achten. Dazu zählen insbesondere:
Dabei ist wichtig zu vermitteln, dass das Fehlen klinischer Symptome eine Parodontalerkrankung nicht ausschließt. Parodontale Erkrankungen können insbesondere bei futteraffinen Tieren lange unentdeckt bleiben und diese Tiere zeigen häufig nur milde oder unspezifische klinische Anzeichen. Regelmäßige zahnmedizinische Kontrollen sind daher essenziell.
Kontrollen sollten idealerweise einmal jährlich im Rahmen einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung, ggf. in Kombination mit möglichen Impfungen, durchgeführt werden. Allerdings gibt es auch Haustiere, die aufgrund individueller Risikofaktoren engmaschigere Kontrollen benötigen.
Auch wenn TFA keine medizinische Diagnose stellen dürfen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur zahnmedizinischen Versorgung. Sie sind qualifiziert, eine strukturierte klinische Anamnese zu erheben sowie validierte Instrumente und anerkannte Scoring-Systeme einzusetzen, um die Zahngesundheit von Haustieren systematisch zu erfassen, zu überwachen und zu bewerten.
Im Folgenden wird aufgezeigt, wie TFA die tierärztliche Praxis gezielt bei der Zahnuntersuchung unterstützen können:
Zahnerkrankungen können erhebliche systemische Auswirkungen auf Haustiere haben. Daher sollte eine Zahnuntersuchung stets ganzheitlich erfolgen. Dazu gehört eine umfassende Anamnese, die den allgemeinen Gesundheitszustand, die Ernährung, die Krankengeschichte, den Body Condition Score (BCS), das Körpergewicht sowie eine vollständige klinische Untersuchung von der Nase bis zum Schwanz umfasst. Diese schließt auch die Auskultation von Herz und Lunge ein.
Diese Informationen sind nicht nur für die kontinuierliche Aufklärung der Besitzer*innen von großer Bedeutung, sondern auch ein entscheidender Faktor, falls zur Behandlung einer Parodontalerkrankung eine Allgemeinanästhesie erforderlich wird.
Im Rahmen der oralen Beurteilung kann eine TFA zunächst eine äußere Untersuchung durchführen, um mögliche Schwellungen im Gesichtsbereich oder schmerzhafte Areale zu erkennen. Sofern das Tier kooperativ ist und die Untersuchung sicher durchgeführt werden kann, folgt eine intraorale Sichtuntersuchung. Dabei dient ein Zahnschema für Hunde und Katzen der strukturierten Erfassung und Dokumentation der Befunde.
Die Aufgabe der TFA liegt hierbei in der systematischen Sichtkontrolle, der Erkennung auffälliger Veränderungen sowie der nachvollziehbaren Dokumentation. Eine medizinische Bewertung, Diagnosestellung oder Therapieentscheidung erfolgt ausschließlich durch Tierärzt*innen.
Visuelle Beurteilung umfasst unter anderem:
Der Schweregrad parodontaler Erkrankungen kann mithilfe des Parodontalen Screening Index (0–4) eingeschätzt werden. Diese Einschätzung dient der Einordnung des Befundes und kann Hinweise auf das Ausmaß der Erkrankung geben. Die Erkrankung kann lokalisiert oder generalisiert auftreten.
Die durch die TFA erhobenen Indexwerte stellen eine unterstützende Entscheidungsgrundlage dar, ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnosestellung. Die abschließende Bewertung des parodontalen Status sowie die Entscheidung über weiterführende diagnostische Maßnahmen liegen bei der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Es gibt außerdem einen Plaque- und Gingiva-Index, der üblicherweise auf einer Skala von 0 bis 3 eingeschätzt wird. Diese Werte müssen von TFA und Tierärzt*innen unter Vollnarkose wiederholt werden, da eine Sondierung erforderlich ist, um Blutungen bei der Sondierung zu überprüfen.
Ein weiterer Bereich, in dem zahnmedizinisch interessierte TFA die Praxis unterstützen können, ist natürlich die Zahnbehandlung selbst. Werfen wir einen Blick auf die Rolle der TFA in der tierärztlichen Zahnchirurgie.
Um das Verständnis der Kund*innen zu fördern und eine Einwilligung der Besitzer*innen zu gewährleisten, kann die Tierarztpraxis ein "präoperatives Informationsblatt" erstellen, das vor dem zahnärztlichen Eingriff ausgehändigt wird. Idealerweise sollte dies bereits vor dem Operationstag geschehen, um die Besitzer*innen nicht zu überfordern. Tierarztpraxen können E-Mail, Apps und Messenger-Dienste nutzen, um Handouts zu versenden, oder sie bei der zahnärztlichen Untersuchung durch die TFA oder Tierärzt*in aushändigen. Es kann von TFA auch erwartet werden, dass sie einen Kunden anrufen, um diese präoperativen Informationen weiterzugeben, z. B. wenn ein Kunde nicht in der Lage ist, das Handout zu lesen.
Viele Patienten benötigen eine Zahnbehandlung unter Narkose. Sobald die Diagnose gestellt und ein Termin vereinbart ist, werden die TFA häufig aufgefordert, einen Patienten stationär aufzunehmen. Um eine Einwilligung der Besitzer zu gewährleisten, sollten TFA das Verfahren noch einmal erklären und in Rücksprache einen umfassenden Kostenvoranschlag erstellen. Die Besitzer*innen sollten immer kontaktiert werden, wenn sich der Kostenvoranschlag oder der Behandlungsplan ändert, damit sie über das laufende Geschehen informiert sind.
Wie bei jeder Allgemeinanästhesie muss das klinische Veterinärteam das Protokoll für den Patienten planen, um sicherzustellen, dass die drei Prinzipien der Anästhesie (Hypnose/Amnesie/Bewusstlosigkeit, Analgesie und Muskelentspannung) abdeckt sind und die Anästhesie für den einzelnen Patienten sicher ist. Falls dies noch nicht geschehen ist, kann es hilfreich sein, das ASA-Klassifikationssystem zur Abschätzung des perioperativen Risikos zu verwenden.
Ein Bereich, in dem TFA bereits gut eingesetzt werden, ist die Delegation der Narkoseeinleitung, -erhaltung und -überwachung.
Während der Patient in Narkose ist, können die TFA auch folgende Aufgaben übernehmen:
Tiermedizinische Fachangestellte sind bei zahlreichen Aspekten der Aufklärung und Behandlung von Parodontalerkrankungen von entscheidender Bedeutung. Durch angemessene Delegation und Zusammenarbeit mit dem tierärztlichen Team können die die Fähigkeiten und das Wissen einer TFA sinnvoll genutzt werden, um die Tierärztin oder den Tierarzt zu entlasten. Dies steigert nicht nur die Effizienz, sondern bietet Besitzer*innen auch einen umfassenderen Service.
Wenn Sie von Robyns Gedanken zur Zahnpflege durch TFA inspiriert wurden, warum machen Sie dann nicht eine Fortbildung für TFA in Zahnmedizin? Unser Zertifikat für TFA in der Zahnmedizin vermittelt Ihnen das Wissen und die Fähigkeiten, die Sie brauchen, um mehr zahnärztliche Aufgaben in Ihrer Praxis zu übernehmen und die Versorgung Ihrer Patienten zu verbessern.
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