Neurofilament light chain (NfL) als Biomarker von Meningoenzephalitis unbekannter Ursache bei Hunden

22 June 2023 -
El polipéptido liviano de neurofilamento como biomarcador de meningoencefalitis de etiología desconocida en perros

Neurofilamente (Nf) sind neuronenspezifische Proteine, die in den Axonen stark ausgeprägt sind. Werden Axone beschädigt, werden Neurofilamente im Liquor cerebrospinalis (CSF) und im Blutkreislauf freigesetzt. Mit der NfL-Konzentration im CSF und im Blutkreislauf konnten jüngst neuroaxonale Schäden nachgewiesen werden. Beim Menschen können sie potenziell als Biomarker für das Voranschreiten der Krankheit genutzt werden.

Studien mit Biomarkern des Zentralnervensystems (ZNS) gibt es dagegen kaum in der Veterinärmedizin. Wichtig ist, dass es sich hier um einfache und kostengünstige Messmethoden handelt. NfL könnte ein Biomarker für den veterinärmedizinischen Gebrauch sein, da die Konzentration einfach im Liquor und im Serum nachgewiesen werden kann.

In dieser Studie nahmen die AutorInnen an, dass die NfL im Liquor und im Serum bei Hunden mit Meningoenzephalitis unbekannter Ursache (MUE) zunehmen würde.

36 gesunde und 38 Hunde mit MUE wurden in die Studie aufgenommen. Die erkrankten Hunde wurden mit einer Kombination aus Prednisolon und anderen immunmodulatorischen Medikamenten behandelt, wobei das Kortikosteroid auf eine Erhaltungsdosis reduziert wurde. Die NfL-Konzentrationen im Liquor und im Serum wurden am Anfang gemessen, dann zwischen kranken und gesunden Hunden verglichen, um die Unterschiede beim Auftreten klinischer Symptome zu bewerten.

Um die Auswirkungen von Anfällen auf die NfL-Konzentrationen bewerten zu können, wurden die Hunde in zwei Gruppen eingeteilt: die eine mit MUE und Anfällen und die andere mit MUE aber ohne Anfälle. Bei beiden Gruppen wurden die NfL-Konzentrationen am Anfang bestimmt zum Vergleich und zur Bewertung ihrer Eigenschaft als Biomarker für Anfälle bei kranken Hunden.

Die NfL-Konzentrationen wurden nach der Behandlung oder vor dem Tod bestimmt und mit den anfangs erhaltenen Werten verglichen, um deren Nutzung zur Kontrolle der Reaktion auf die Therapie zu bewerten.

Die AutorInnen haben also entdeckt, dass NfL-Konzentrationen im Serum bei Hunden mit MUE eindeutig höher waren als bei gesunden. Eine andere wichtige Entdeckung war, dass bei erkrankten Hunden die NfL-Konzentrationen bei jenen Hunden signifikant absank, die auf die Therapie angesprochen haben, im Vergleich zu denen, bei denen keine Reaktion sichtbar war. Auch wenn die NfL-Konzentrationen bei Anfällen höher waren, war der Unterschied statistisch nicht signifikant.

Man muss aber diesen wichtigen Aspekt in Betracht ziehen: MUE lässt sich nur schwer diagnostizieren. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) weist eine hohe Genauigkeit und Empfindlichkeit bei der Diagnose dieser Krankheit auf. Dennoch haben die AutorInnen entdeckt, dass bei manchen kranken Hunden mit hohen NfL-Konzentrationen keine Veränderungen im MRT und in der Liquorzytologie nachgewiesen werden konnte. Demnach kann ein Anstieg der NfL-Konzentration die Diagnose von MUE bei Veränderungen im MRT und in der Liquorzytologie unterstützen.

Abschließend kann gesagt werden, dass, trotz der Einschränkungen dieser Studie, die AutorInnen NfL als potenziellen Biomarker für MUE betrachten und diese eine wichtige Rolle bei der Diagnose und der Bewertung der Reaktion auf die Therapie spielen.

 

Yun, T, Koo, Y, Chae, Y, et al. Neurofilament light chain as a biomarker of meningoencephalitis of unknown etiology in dogs. J Vet Intern Med. 2021; 35(4): 1865– 1872.

https://doi.org/10.1111/jvim.16184