Kaninchenschutz

2 August 2021 – News

Kaninchenschutz

Obwohl es sich um eines der beliebtesten Haustiere weltweit handelt, ist die Haltung, Fütterung und das Wohlergehen von Hauskaninchen bisher relativ wenig erforscht worden.

Mangelndes Wissen über Ernährung, Unterbringung und soziale Bedürfnisse ist unter Tierhalter:innen weit verbreitet. Tatsächlich sollten laut der Rabbits Welfare Association nur 5% der Ernährung von Heimkaninchen aus pelletiertem Futter bestehen, 10% aus einer Vielzahl von Blattgemüsen, Gemüse und Kräutern und 85% sollten aus unbegrenzt zugänglichem Gras oder Heu (Langfaser) bestehen, doch leider ist dies keine gängige Praxis unter Kaninchenhalter:innen. Darüber hinaus reagierten die meisten Heimtierkaninchen mit Unruhe, wenn sie von ihrem Besitzer:innen oder anderen Personen angefasst wurden – eine frühzeitige Gewöhnung an den menschlichen Geruch und an die regelmäßige Berührung und Beschäftigung mit den Tieren könnte dies verhindern. Für Tierärzt:innen sind die meisten berichteten Schwierigkeiten mit der Schmerzerkennung, Anästhesie und Analgesie verbunden, in diesem Bereich gibt es auch unzureichende Kenntnisse über das allgemeine Wohlergehen von Kaninchen.

Ziel dieser Studie war es, verschiedene Meinungen von Tierschutzexpert:innen zu den Problemen von Heimtierkaninchen in Großbritannien zu sammeln und einen Konsens über die Priorisierung des Wohlbefindens dieser Tiere zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Delphi-Methode angewandt – zwei Umfragerunden wurden online mit einem Umfrage-Tool durchgeführt und anschließend nahmen 21 Tierschutzexpert:innen an einem Workshop teil, um die Gesamtpriorisierung der Themen zu bestimmen.

Die größten Probleme hinsichtlich des Wohlergehens von Heimtierkaninchen in Großbritannien waren unzureichende Ernährung und Haltung, mangelnde Umgangsgewöhnung an den Menschen und fehlende Sozialisierung, sowie verschiedene Probleme im Zusammenhang mit unzureichenden Kenntnissen der Besitzer:innen über die Unterbringung, die Ernährung und die Verhaltensbedürfnisse der Kaninchen in ihrer Obhut. Daraus resultierten Bedenken in Bezug auf die Einstellung der Besitzer:innen gegenüber Kaninchen als Haustiere, da mangelnde Kenntnisse und Fehlannahmen die Lebensspanne dieser Tiere beeinträchtigen. Hauskaninchen können potenziell 12 Jahre alt werden, Daten aus England und den Niederlanden deuten jedoch auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 4,2 bis 5,6 Jahren hin.

In Anbetracht der ausgewerteten Daten wird die allgemeine Gesundheitsvorsorge für Kaninchen nicht als Standard angesehen, und es gibt tatsächlich viele Besitzer:innen, die ihre Tiere nicht impfen lassen, weil sie sich dessen nicht bewusst sind (oder es sogar nicht empfohlen bekommen haben). Die Aufklärung der Besitzer:innen wird sich positiv auf das Wohlergehen der Kaninchen auswirken, daher wären in dieser Richtung weitere Maßnahmen, möglicherweise über Tierärzt:innen und Mitarbeiter:innen von Tierhandlungen, wertvoll. Darüber hinaus könnten sich die Prioritäten in der Kaninchenforschung auf ein verbessertes Verständnis des Verhaltens von Heimtierkaninchen konzentrieren, insbesondere auf die Interaktionen zwischen Menschen und Kaninchen und auf die Umweltbedürfnisse von Kaninchen, die in menschlicher Obhut leben.

Rioja-Lang, F., Bacon, H., Connor, M. und Dwyer, C.M. (2019), Rabbit welfare: determining priority welfare issues for pet rabbits using a modified Delphi method. Vet Rec Open, 6: e000363. https://doi.org/10.1136/vetreco-2019-000363