Traumata sind eine seltene Ursache für intraabdominale Blutungen beim Hund. Dieser Artikel konzentriert sich daher auf spontane Hämoperitonea, insbesondere auf Fälle, die durch eine Milzblutung verursacht werden. Erkrankungen, die zu einer generalisierten Koagulopathie (Gerinnungsstörung) führen können, sollten insbesondere bei jungen Tieren oder bei klinischen Hinweisen auf multifokale Blutungen oder Hämatome berücksichtigt werden.
Etwa 60 % der Hämoperitonea beim Hund haben ihren Ursprung in der Milz (Abbildung 1). Bei zufällig entdeckten Milzraumforderungen liegt das Verhältnis von gutartigen zu bösartigen Veränderungen bei etwa 50:50. Spontane Blutungen sind jedoch mit einem deutlich höheren Risiko für Malignität verbunden (etwa 85 %). Das Milzhämangiosarkom (HSA), das 67,5 % der bösartigen Milztumoren bei Hunden großer Rassen und 50 % bei Hunden kleiner Rassen ausmacht (Fleming et al., 2018), weist unter den malignen Milztumoren eine besonders ungünstige Prognose auf.
Wenn keine Metastasen nachweisbar sind, beträgt die mediane Überlebenszeit (MST) nach alleiniger chirurgischer Therapie 1,8 Monate. Durch eine zusätzliche Chemotherapie kann diese auf 3,4 Monate verlängert werden. Bei Vorliegen von Metastasen liegt die mediane Überlebenszeit bei 0,9 Monaten; kein Hund überlebte in dieser Gruppe länger als ein Jahr (Wendelburg et al., 2015).
Ein kürzlich entwickeltes Bewertungssystem zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Hämangiosarkoms (HeLP-Score) berücksichtigt Körpergewicht, Gesamtprotein, Thrombozytenzahl und Röntgenaufnahmen des Thorax, um das Risiko in niedrig, mittel und hoch einzustufen (Schick et al., 2019). Dieses System kann dazu beitragen, objektivierbare prognostische Hinweise zu liefern und Tierhalter*innen bei schwierigen Therapieentscheidungen zu unterstützen.
Die Prognose anderer bösartiger Milzläsionen als dem Hämangiosarkom hängt von der histopathologischen Diagnose ab. Bei den meisten gutartigen Milzveränderungen ist die Prognose nach einer chirurgischen Entfernung hingegen sehr gut.
Leberblutungen machen etwa 15 % der Hämoperitoneum-Fälle beim Hund aus. Bei Hunden mit einem Körpergewicht unter 20 kg ist der Anteil mit etwa 27 % erhöht. Obwohl seltener, sollten präoperativ auch Blutungen aus anderen intraabdominalen Organen wie Niere, Nebenniere (Abbildung 2) oder Omentum berücksichtigt werden.
Blutungen aus der Nebenniere treten möglicherweise häufiger im retroperitonealen Raum auf und können sich als dorsale abdominale Raumforderung darstellen.
Ataxie, Kollaps, Belastungsintoleranz, Tachypnoe und Lethargie sind unspezifische klinische Symptome, die zunächst auch auf eine neurologische, kardiale oder respiratorische Erkrankung hinweisen können. Bei einem kollabierten Tier sollte bereits während der initialen Untersuchung eine Sauerstoffversorgung (z. B. über eine Nasenbrille oder Gesichtsmaske) eingeleitet und ein intravenöser Zugang gelegt werden. Eine frühzeitige Analgesie, in der Regel mit einem Opioidagonisten, ist erforderlich. Sofern keine Kontraindikationen aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung bestehen, sollte eine frühzeitige intravenöse Flüssigkeitstherapie eingeleitet werden.
Blasse Schleimhäute, eine verlängerte Kapillarfüllungszeit, Tachykardie, schwache periphere Pulse und Kollaps sprechen für einen hypovolämischen Schock. Durch wiederholte Kontrollen im Vergleich zu den Ausgangswerten kann das Ansprechen auf die eingeleiteten Maßnahmen beurteilt werden.
Eine abdominale Distension und ein positives Flüssigkeitsschwirren können insbesondere bei übergewichtigen Hunden schwer zu erkennen sein. Bereits ein vergleichsweise geringer Blutverlust kann – abhängig vom Ausgangsvolumenstatus und der individuellen Kompensationsfähigkeit des Patienten – zu einer klinisch relevanten Hypovolämie führen. Freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle sollte jedoch nicht automatisch als Blut interpretiert werden, auch wenn die klinischen Symptome und der Allgemeinzustand des Tieres einen entsprechenden Verdacht nahelegen.
Die abdominale Point-of-Care-Ultraschalluntersuchung (POCUS) ist eine schnelle und kostengünstige Methode, um größere Mengen freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle zu erkennen. Die Identifizierung kleiner Flüssigkeitsmengen kann jedoch schwieriger sein. Die gezielte Untersuchung von schwerkraftabhängigen Bereichen auf echoarme Flüssigkeitsansammlungen, insbesondere zwischen den Leberlappen und im Bereich des Blasenhalses, kann die Sensitivität verbessern.
Der Nachweis einer intraabdominalen Raumforderung kann in dieser Phase hilfreich sein. Die Identifizierung der zugrunde liegenden Ursache steht bei POCUS jedoch nicht zwingend im Vordergrund – entscheidend ist zunächst die Stabilisierung des Hundes.
Eine Abdominozentese ist entscheidend, um die freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle zu charakterisieren. Eine blinde Vier-Quadranten-Abdominozentese ist möglich, allerdings kann die Punktion eines Organs oder Gefäßes zu falsch interpretierbaren Ergebnissen führen. Auch kleinere Blutungen können dabei übersehen werden. Wenn die gewonnene Probe nicht gerinnt, handelt es sich wahrscheinlich um ein Hämoperitoneum.
| Höheres PCV/TS des Ergusses als im Blutkreislauf | Alte Blutung Wiederauffüllung des zirkulierenden Volumens |
| PCV/TS des Ergusses deutlich niedriger als im zirkulierenden Blut | Wahrscheinlich keine einfache Blutung (z. B. Blutverunreinigung, Blut gemischt mit einer anderen Flüssigkeit) |
| PCV/TS des Ergusses entspricht dem des zirkulierenden Blutes | Akute Blutung |
Der Hämatokrit (PCV, packed cell volume) und der Gesamtproteingehalt bzw. Gesamtfeststoffgehalt (TS, total solids) der freien Flüssigkeit werden mit den Werten des zirkulierenden Blutes verglichen (Tabelle 1). Das alleinige Erscheinungsbild der Flüssigkeit reicht jedoch nicht aus, um eine einfache Blutung sicher zu beurteilen. Bereits eine geringe Beimengung von Blut zu einer anderen Flüssigkeitsansammlung kann zu einer intensiv roten Färbung führen, obwohl nur wenige Erythrozyten enthalten sind.
Beispielsweise kann ein traumatisches Uroabdomen optisch wie Blut erscheinen, aber einen PCV-Wert von lediglich 5 bis 10 % aufweisen, während der PCV-Wert des zirkulierenden Blutes bei 35 bis 55 % liegt. Neoplastische Zellen können gelegentlich mittels zytologischer Untersuchung nachgewiesen werden, allerdings ist die Sensitivität dieser Methode gering.
Ein normaler Hämatokrit im peripheren Blut ist bei akuten Blutungen häufig und sollte daher nicht als Ausschlusskriterium interpretiert werden (Tabelle 2).
| Zeitpunkt der Blutung | Hämatokrit | TS | Ursache |
|---|---|---|---|
| Perakute Blutung | Normal | Normal | Erythrozyten (RBC) und Plasma gehen im gleichen Verhältnis verloren |
| Subakute Blutung | Normal | Reduziert | Durch die Kontraktion der Milz gelangen Erythrozyten in den Blutkreislauf. Wasser, das aus dem extrazellulären Raum entnommen wird, um das Volumen des intravaskulären Kompartiments aufrechtzuerhalten, verdünnt die Proteine |
| Fortschreiten der Blutung | Reduziert | Reduziert oder stabil | Anhaltender Verlust von roten Blutkörperchen jenseits der Kompensationsgrenze |
Eine Blutung reduziert die Sauerstofftransportkapazität des Kreislaufs durch den Verlust von Erythrozyten und führt durch den intravasalen Volumenverlust zu einer Abnahme des Herzzeitvolumens. Dadurch kann die Sauerstoffversorgung des Gewebes beeinträchtigt werden. Die Gabe von Vollblut kann diese Veränderungen ausgleichen und ist in der Humanmedizin ein zentraler Bestandteil der Therapie. In der Tiermedizin ist diese Ressource jedoch häufig begrenzt. Eine Bluttransfusion bei einem weiterhin aktiv blutenden Patienten kann zu einem erneuten oder verstärkten Blutverlust in die Bauchhöhle führen. Daher muss der Zeitpunkt der Transfusion sorgfältig abgewogen werden.
Die wiederholte Kontrolle von Blutdruck, Herzfrequenz und Pulsqualität ist entscheidend, um das Ansprechen auf intravenöse Flüssigkeitsboli zu beurteilen und die weitere Therapie zu steuern. Dazu gehören beispielsweise weitere Flüssigkeitsboli, eine fortgesetzte Flüssigkeitstherapie, der Einsatz von Vasopressoren oder die Entscheidung über die Dringlichkeit eines chirurgischen Eingriffs.
Zu den Zielparametern einer Notfallstabilisierung können ein mittlerer arterieller Blutdruck von über 60 bis 70 mmHg, ein gleichzeitiger Rückgang der Herzfrequenz (idealerweise unter 120 Schläge/min bei einem entspannten Hund) sowie eine Verbesserung der peripheren Pulsqualität gehören.
Eine vollständige Darstellung der Behandlung einer kritischen Hypovolämie würde den Rahmen dieses Artikels überschreiten. Zu den möglichen Maßnahmen gehören:
Wenn wiederholte Flüssigkeitsboli und der Einsatz von Vasopressoren keine ausreichende Stabilisierung der kardiovaskulären Parameter – insbesondere des Blutdrucks – ermöglichen, kann bei einem instabilen Patienten eine chirurgische Intervention erforderlich sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Blutungsrate den Volumenersatz dauerhaft übersteigt.
Tierhalter*innen sollten eine realistische Einschätzung der möglichen Ursachen und Prognosen erhalten. Dreidimensionale Röntgenaufnahmen des Thorax können helfen, makroskopisch sichtbare Metastasen zu erkennen und die Entscheidungsfindung hinsichtlich einer Operation oder einer Euthanasie unterstützen.
Wenn Tierhalter*innen ausschließlich die akute Notfallsituation behandeln lassen möchten und über die möglichen Prognosen aufgeklärt wurden (mit entsprechender Dokumentation in der Krankenakte), kann eine pragmatische explorative Laparotomie auch ohne weitere umfangreiche Diagnostik sinnvoll sein.
Splenektomie
Eine optimale Darstellung und ein guter Zugang zur Bauchhöhle (Abbildung 3) werden erreicht durch:
Omentale Verwachsungen sollten nicht vorsichtig abgelöst werden. Stattdessen sollte das Omentum durchtrennt werden, um Blutungen zu reduzieren und verbleibendes makroskopisch sichtbares Tumorgewebe möglichst zu minimieren. Bei schwierig zu entfernenden Milztumoren haben die Autor*innen die Milz mit Doyen-Darmklemmen abgeklemmt und zunächst eine schnelle partielle Splenektomie des betroffenen Bereichs durchgeführt. Dies verbessert die Übersicht und begrenzt den Blutverlust, bevor anschließend die vollständige Splenektomie durchgeführt wird. Die entfernte Milz sollte zur histopathologischen Untersuchung eingesandt werden.
Zu den Techniken der Splenektomie gehören:
Eine schnelle Triage, eine zeitnahe Diagnosestellung mittels Abdominozentese sowie eine angemessene Volumentherapie mit regelmäßiger Überwachung der kardiovaskulären Parameter sind entscheidend, um Morbidität und Mortalität zu reduzieren.
Die Splenektomie ist das häufigste chirurgische Verfahren zur Behandlung eines Hämoperitoneums. Bei Blutungen aus der Leber kann jedoch bei bis zu 25 % der Hunde kleiner Rassen eine Leberlappenresektion erforderlich sein. Der chirurgische Eingriff kann entweder nach Stabilisierung des Patienten erfolgen – bei engmaschiger Überwachung und stabilen kardiovaskulären Parametern gegebenenfalls erst 12 bis 24 Stunden später – oder als Notfallmaßnahme durchgeführt werden, wenn aufgrund anhaltender Blutungen keine ausreichende Stabilisierung möglich ist.
Literaturverzeichnis (zum Erweitern anklicken)