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Der Gepard (Acinonyx jubatus): Balanceakt zwischen Geschwindigkeit und Wendigkeit bei der Beutejagd

Geschrieben von The Improve Team | 21.06.2023
Noch wissen wir wenig über die Jagdstrategien, die ein Jäger bei der Beutejagd verwendet. Dank technologischer Fortschritte konnten verschiedenste Sensoren entwickelt werden, die Bewegungen messen und Daten aufzeichnen und auch bei der Dokumentation von Jagdstrategien genutzt werden können. Die im Rahmen dieser Studie gesammelten Daten zu Bewegungsabläufen von Geparden (Acinonyx jubatus) wurden dazu genutzt, ihre Jagdstrategien zu erforschen. Geparde sind physiologisch und anatomisch in der Lage, ihre Beute zu überholen. Dies gelingt ihnen aber nicht, wenn sie erschöpft oder überhitzt sind. Aber auch ihre Beute hat Ausweichtaktiken entwickelt. Richtungswechsel machen es in diesem Fall den Geparden extrem schwer, die Geschwindigkeit beizubehalten, denn scharfe Wendemanöver erfordern viel Energie und üben extreme Kräfte auf Gliedmaßen und Muskeln aus. Sechs freilebende Geparden wurden mit Beschleunigungsmessern und GPS ausgestattet, um deren Bewegungen und Geschwindigkeiten bei der Jagd auf verschiedene Beutetiere aufzuzeichnen. Geschwindigkeit, Position und geschätzte Beschleunigung konnten so gemessen werden. Die Aufzeichnungen liefen insgesamt über 124 Stunden (rund 5 Tage). Die kürzeste aufgezeichnete Jagd dauerte 59 Sekunden. Die Ergebnisse dieser Studie stimmten mit älteren Literaturangaben überein, aber die Geschwindigkeits- und Beschleunigungswerte waren sehr beeindruckend. Daraus kann abgeleitet werden, dass die weitverbreitete Meinung, Geparde betrieben nur eine Hochgeschwindigkeitsjagd, eine extreme Vereinfachung der Realität ist. Die Beutejagd kann in zwei Phasen eingeteilt werden: ein anfängliches Beschleunigen und Einholen der Beute, und dann ein auf die Beute spezifisch angepasstes Abbremsen. Bei Letzterem kann sich der Gepard an das Hakenschlagen der Beute anpassen. Die für Wendemanöver auf engem Raum und bei hohen Geschwindigkeiten benötigten Energieanforderungen sind in der Natur kein geläufiges Phänomen. Daraus kann man schlussfolgern, dass die Höchstgeschwindigkeit durch die Wendefähigkeit beschränkt ist. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Beutejagd des Gepards viel komplexer ist als nur der Faktor Schnelligkeit - sie ist nur ein Teil der Taktik. Zusätzlich dazu muss er langsamer werden und sich an die Richtungsänderungen der Beute anpassen.   Wilson, J. W. et al (2013) ‘Cheetahs, Acinonyx jubatus, balance turn capacity with pace when chasing prey’. Biology Letters, 9 (5) DOI: https://doi.org/10.1098/rsbl.2013.0620