Erkrankungen der Maulhöhle gehören zu den häufigsten Befunden in der tierärztlichen Allgemeinpraxis. Bei 85 Prozent der Hunde wurden Zahnanomalien festgestellt, von denen 60 Prozent auf Parodontitis zurückzuführen waren (Kyllar und Witter, 2005). Bei Katzen liegt die Häufigkeit von Zahnerkrankungen sogar bei etwa 90 Prozent (Lund et al., 1999).
Bei einer rein visuellen Untersuchung lassen sich Veränderungen nur an der Zahnkrone und am Zahnfleischrand erkennen. Tatsächlich sind jedoch nur etwa 30 Prozent eines Zahns sichtbar. Rund 70 Prozent bestehen aus der im Alveolarknochen (Zahnfach) verankerten Zahnwurzel. Die meisten parodontalen und endodontischen Erkrankungen sowie andere Zahnerkrankungen bei Hunden und Katzen befinden sich unterhalb des Zahnfleischrandes und bleiben daher ohne Röntgenaufnahme verborgen.
Bei der Hälfte der Hunde wurden durch Zahnröntgenaufnahmen zusätzlich Erkrankungen entdeckt, die bei der klinischen Untersuchung bereits auffälliger Zähne zunächst verborgen geblieben waren (Kim et al., 2013).
Auch bei Katzen liefern Zahnröntgenaufnahmen häufig entscheidende Zusatzinformationen: Bei 42 Prozent der Tiere mit äußerlich unauffälligen Zähnen wurden klinisch relevante Veränderungen festgestellt. Bei Katzen mit bereits sichtbaren Zahnerkrankungen zeigten die Röntgenaufnahmen in 32 Prozent der Fälle weitere Befunde. Besonders wichtig sind Röntgenaufnahmen bei Verdacht auf Zahnresorption (TR): Bei 98 Prozent der betroffenen Katzen lieferten sie zusätzliche Informationen, die für Diagnose, Behandlungsplanung und Therapie entscheidend waren (Verstraete et al., 1998b).
Die meisten Tierarztpraxen arbeiten heute mit digitaler Röntgentechnik. Sie liefert hochwertige zweidimensionale Bilder, ist kosteneffizient und ermöglicht eine sofortige Bildauswertung. Daher sollte auch das Dentalröntgen selbstverständlich zur modernen zahnmedizinischen Diagnostik gehören.
Ohne Zahnröntgenaufnahmen lassen sich viele Erkrankungen weder sicher diagnostizieren noch zuverlässig beurteilen. Sie bilden daher eine wichtige Grundlage für die Behandlungsplanung, die Prognose und die Verlaufskontrolle. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Dokumentation und helfen dabei, Befunde verständlich mit Tierhalterinnen und Tierhaltern zu besprechen.
Für die effiziente und präzise Anfertigung von Dentalröntgenaufnahmen müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
Vor der Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen sollte möglichst eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden. Zahnstein ist röntgenundurchlässig und kann die Beurteilung der Aufnahmen erschweren oder verfälschen.
Indikationen für die Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen sind folgende:
Unabhängig von diesen Indikationen empfehlen die American Animal Hospital Association (AAHA) und die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA), bei allen neuen Zahnpatienten routinemäßig Röntgenaufnahmen des gesamten Gebisses als Bestandteil einer vollständigen zahnmedizinischen Untersuchung anzufertigen.
Zahnröntgengeräte sollten leicht zu positionieren sein und sich in unmittelbarer Nähe des Behandlungsplatzes befinden. Sind sie schwer zugänglich oder umständlich in der Handhabung, werden sie im Praxisalltag deutlich seltener eingesetzt.
Die Röntgenbelichtung wird von drei Faktoren bestimmt: Spitzenkilovolt (kV), Milliampere (mA) und der Belichtungszeit. Die meisten modernen Zahnröntgengeräte arbeiten mit voreingestellten Werten von 70 kV und 8 mA. Die einzige Variable, die vom Bediener angepasst werden muss, ist daher die Belichtungszeit. Sie richtet sich vor allem nach der Schädelgröße und der Dicke des Weichgewebes des Patienten und liegt – je nach Gerät – zwischen etwa 0,15 Sekunden bei einer Katze und 0,80 Sekunden bei einem großen Hund.
Der Patient sollte stets nach einem einheitlichen Schema gelagert werden und die Röntgenaufnahmen systematisch angefertigt werden. So lassen sich Schwankungen bei den erforderlichen Aufnahmewinkeln vermeiden und das Risiko verringern, Bereiche des Zahnbogens zu übersehen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass der Patient während der Untersuchung gegebenenfalls umgelagert werden muss.
In diesem Artikel beschreiben wir die Aufnahmewinkel für einen Patienten in Seitenlage, bei dem der harte Gaumen senkrecht zum Behandlungstisch ausgerichtet ist (Abbildungen 1 bis 10). Diese Position ermöglicht eine zahnmedizinische Behandlung mit möglichst wenig Umlagerungen. Lediglich für die Untersuchung der gegenüberliegenden Maulseite muss der Patient einmal gedreht werden.
Für die Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. In diesem Artikel wird die vereinfachte Technik nach Woodward (2009) beschrieben, da sie mit festen Aufnahmewinkeln arbeitet und sich dadurch besonders gut für den Praxisalltag eignet. Die Winkel sind auf 20°, 45° und 90° festgelegt.
Als Bezugspunkt dient das Nasenphiltrum – die senkrechte Furche zwischen Nase und Oberlippe. Ist der Röntgenkopf darauf ausgerichtet, entspricht dies einem Winkel von 0°. Von diesem Ausgangspunkt aus werden die jeweiligen Aufnahmewinkel eingestellt.
Bei Hunden werden für Zahnröntgenaufnahmen in der Regel Bildplatten der Größe 4 verwendet, bei Katzen Bildplatten der Größe 2. Tupfer oder Papiertücher können dabei helfen, die Bildplatte sicher zu positionieren.
Für eine optimale Bildqualität ist außerdem ein sorgfältiger Umgang mit den Bildplatten wichtig. Sie sollten regelmäßig gereinigt werden, um Artefakte wie Fingerabdrücke oder Blutflecken zu vermeiden. Vor jeder Verwendung empfiehlt es sich außerdem, die Bildplatten auf Beschädigungen oder Kratzer zu kontrollieren, da diese auf den Aufnahmen sichtbar sind und die Bildqualität beeinträchtigen können.
Mit etwas Übung lassen sich intraorale Zahnröntgenaufnahmen schnell und zuverlässig anfertigen. Dadurch kann die Narkosezeit des Patienten verkürzt werden, während gleichzeitig eine präzise Diagnostik und eine fundierte Behandlungsplanung ermöglicht werden.
| Kim, C., Lee, S., Kim, J., Park, H. | 2013 | Beurteilung zahnmedizinischer Anomalien mittels Vollmundröntgenaufnahmen bei Hunden kleiner Rassen. Journal of the American Animal Hospital Association, 49, 23–30 |
| Kyllar, M. und Witter, K. | 2012 | Prävalenz von Zahnerkrankungen bei Haushunden. Veterinární Medicína, 50, 496–505 |
| Lund, E., Armstrong, J., Kirk, C., Kolar, L.M. und Klausner, J.S. | 1999 | Gesundheitszustand und Populationsmerkmale von Hunden und Katzen, die in privaten Tierarztpraxen in den Vereinigten Staaten untersucht wurden. Journal of the American Veterinary Medical Association, 214, 1336–41 |
| Verstraete, F., Kass, P. und Terpak, C. | 1998a | Diagnostischer Wert der Ganzmund-Röntgenaufnahme bei Hunden. American Journal of Veterinary Research, 59, 686–91 |
| Verstraete, F., Kass, P. und Terpak, C. | 1998b | Diagnostischer Wert der Ganzmund-Röntgenaufnahme bei Katzen. American Journal of Veterinary Research, 59, 692–695 |
| Woodward, T. | 2009 | Zahnärztliche Radiologie, Themen der Haustiermedizin, 24, 20–36 |