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Dentalröntgen in der Praxis: Warum intraorale Aufnahmen unverzichtbar sind

Geschrieben von Paik Koh | 20.08.2026

 Erkrankungen der Maulhöhle gehören zu den häufigsten Befunden in der tierärztlichen Allgemeinpraxis. Bei 85 Prozent der Hunde wurden Zahnanomalien festgestellt, von denen 60 Prozent auf Parodontitis zurückzuführen waren (Kyllar und Witter, 2005). Bei Katzen liegt die Häufigkeit von Zahnerkrankungen sogar bei etwa 90 Prozent (Lund et al., 1999). 

Bei einer rein visuellen Untersuchung lassen sich Veränderungen nur an der Zahnkrone und am Zahnfleischrand erkennen. Tatsächlich sind jedoch nur etwa 30 Prozent eines Zahns sichtbar. Rund 70 Prozent bestehen aus der im Alveolarknochen (Zahnfach) verankerten Zahnwurzel. Die meisten parodontalen und endodontischen Erkrankungen sowie andere Zahnerkrankungen bei Hunden und Katzen befinden sich unterhalb des Zahnfleischrandes und bleiben daher ohne Röntgenaufnahme verborgen.

Bei der Hälfte der Hunde wurden durch Zahnröntgenaufnahmen zusätzlich Erkrankungen entdeckt, die bei der klinischen Untersuchung bereits auffälliger Zähne zunächst verborgen geblieben waren (Kim et al., 2013).

Auch bei Katzen liefern Zahnröntgenaufnahmen häufig entscheidende Zusatzinformationen: Bei 42 Prozent der Tiere mit äußerlich unauffälligen Zähnen wurden klinisch relevante Veränderungen festgestellt. Bei Katzen mit bereits sichtbaren Zahnerkrankungen zeigten die Röntgenaufnahmen in 32 Prozent der Fälle weitere Befunde. Besonders wichtig sind Röntgenaufnahmen bei Verdacht auf Zahnresorption (TR): Bei 98 Prozent der betroffenen Katzen lieferten sie zusätzliche Informationen, die für Diagnose, Behandlungsplanung und Therapie entscheidend waren (Verstraete et al., 1998b).

Die meisten Tierarztpraxen arbeiten heute mit digitaler Röntgentechnik. Sie liefert hochwertige zweidimensionale Bilder, ist kosteneffizient und ermöglicht eine sofortige Bildauswertung. Daher sollte auch das Dentalröntgen selbstverständlich zur modernen zahnmedizinischen Diagnostik gehören.

Ohne Zahnröntgenaufnahmen lassen sich viele Erkrankungen weder sicher diagnostizieren noch zuverlässig beurteilen. Sie bilden daher eine wichtige Grundlage für die Behandlungsplanung, die Prognose und die Verlaufskontrolle. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Dokumentation und helfen dabei, Befunde verständlich mit Tierhalterinnen und Tierhaltern zu besprechen.

Für die effiziente und präzise Anfertigung von Dentalröntgenaufnahmen müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Der zu untersuchende Zahn sollte zentral auf der Aufnahme dargestellt sein.
  • Die Wurzelspitzen müssen vollständig sichtbar sein und von einem 2–3 mm breiten Knochenrand umgeben werden.
  • Die vier wichtigsten Hartgewebe (Kortikalknochen, Spongiosa, Dentin und Zahnschmelz) sollten klar voneinander abgrenzbar sein.
  • Der Zielzahn darf nicht durch andere Zähne oder Gegenstände überlagert werden.
  • Im relevanten Bildbereich dürfen keine Artefakte wie Blut, Kratzer oder Fingerabdrücke sichtbar sein.
  • Die Belichtungszeit sollte optimal gewählt werden.

Vor der Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen sollte möglichst eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden. Zahnstein ist röntgenundurchlässig und kann die Beurteilung der Aufnahmen erschweren oder verfälschen.

Indikationen für die Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen sind folgende:

  • fehlende, frakturierte oder verfärbte Zähne
  • Zahnresorption
  • vor und nach Zahnextraktionen
  • Parodontaltaschen
  • stark abgenutzte oder abgeschliffene Zähne
  • Zahnfleischwucherungen oder Tumoren
  • schmerzhafte oder empfindliche Zähne
  • Drainagegänge
  • Nasenausfluss oder Nasenbluten
  • Mundschmerzen, vermehrter Speichelfluss oder Kratzen am Maul in der Vorgeschichte
  • vermindertes Interesse an Futter oder Spielzeug
  • Kontrolle früherer Behandlungen
  • Zahntraumata
  • Verlaufskontrollen

Unabhängig von diesen Indikationen empfehlen die American Animal Hospital Association (AAHA) und die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA), bei allen neuen Zahnpatienten routinemäßig Röntgenaufnahmen des gesamten Gebisses als Bestandteil einer vollständigen zahnmedizinischen Untersuchung anzufertigen.

Geräte

Zahnröntgengeräte sollten leicht zu positionieren sein und sich in unmittelbarer Nähe des Behandlungsplatzes befinden. Sind sie schwer zugänglich oder umständlich in der Handhabung, werden sie im Praxisalltag deutlich seltener eingesetzt.

Belichtung

Die Röntgenbelichtung wird von drei Faktoren bestimmt: Spitzenkilovolt (kV), Milliampere (mA) und der Belichtungszeit. Die meisten modernen Zahnröntgengeräte arbeiten mit voreingestellten Werten von 70 kV und 8 mA. Die einzige Variable, die vom Bediener angepasst werden muss, ist daher die Belichtungszeit. Sie richtet sich vor allem nach der Schädelgröße und der Dicke des Weichgewebes des Patienten und liegt – je nach Gerät – zwischen etwa 0,15 Sekunden bei einer Katze und 0,80 Sekunden bei einem großen Hund.

Lagerung des Patienten

Der Patient sollte stets nach einem einheitlichen Schema gelagert werden und die Röntgenaufnahmen systematisch angefertigt werden. So lassen sich Schwankungen bei den erforderlichen Aufnahmewinkeln vermeiden und das Risiko verringern, Bereiche des Zahnbogens zu übersehen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass der Patient während der Untersuchung gegebenenfalls umgelagert werden muss.

In diesem Artikel beschreiben wir die Aufnahmewinkel für einen Patienten in Seitenlage, bei dem der harte Gaumen senkrecht zum Behandlungstisch ausgerichtet ist (Abbildungen 1 bis 10). Diese Position ermöglicht eine zahnmedizinische Behandlung mit möglichst wenig Umlagerungen. Lediglich für die Untersuchung der gegenüberliegenden Maulseite muss der Patient einmal gedreht werden.

Aufnahmetechnik

Für die Anfertigung von Zahnröntgenaufnahmen stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. In diesem Artikel wird die vereinfachte Technik nach Woodward (2009) beschrieben, da sie mit festen Aufnahmewinkeln arbeitet und sich dadurch besonders gut für den Praxisalltag eignet. Die Winkel sind auf 20°, 45° und 90° festgelegt.

Als Bezugspunkt dient das Nasenphiltrum – die senkrechte Furche zwischen Nase und Oberlippe. Ist der Röntgenkopf darauf ausgerichtet, entspricht dies einem Winkel von 0°. Von diesem Ausgangspunkt aus werden die jeweiligen Aufnahmewinkel eingestellt.

Bildplatten und Bildqualität

Bei Hunden werden für Zahnröntgenaufnahmen in der Regel Bildplatten der Größe 4 verwendet, bei Katzen Bildplatten der Größe 2. Tupfer oder Papiertücher können dabei helfen, die Bildplatte sicher zu positionieren.

Für eine optimale Bildqualität ist außerdem ein sorgfältiger Umgang mit den Bildplatten wichtig. Sie sollten regelmäßig gereinigt werden, um Artefakte wie Fingerabdrücke oder Blutflecken zu vermeiden. Vor jeder Verwendung empfiehlt es sich außerdem, die Bildplatten auf Beschädigungen oder Kratzer zu kontrollieren, da diese auf den Aufnahmen sichtbar sind und die Bildqualität beeinträchtigen können.

Fazit

Mit etwas Übung lassen sich intraorale Zahnröntgenaufnahmen schnell und zuverlässig anfertigen. Dadurch kann die Narkosezeit des Patienten verkürzt werden, während gleichzeitig eine präzise Diagnostik und eine fundierte Behandlungsplanung ermöglicht werden.

Röntgenwinkel und Positionierung bei Eckzähnen

 ABBILDUNG 1A: Ober- und Unterkieferschneidezähne: Die Bildplatte wird flach an die Schneidezähne angelegt und parallel zum harten Gaumen ausgerichtet. Ausgehend von einem Winkel von 0° (Mittellinie des Kopfes) wird der Röntgenstrahl in rostrokaudaler Richtung bis zu einem Winkel von 20° auf die oberen bzw. unteren Schneidezähne ausgerichtet. Eine Büroklammer an einer Ecke der Bildplatte kann dabei helfen, die rechte von der linken Seite des Schneidezahnbogens zu unterscheiden. ABBILDUNG (1B) Röntgenaufnahme der oberen Schneidezähne.  ABBILDUNG 2A: Oberkiefereckzähne: Die Bildplatte wird flach an die Eckzähne angelegt und parallel zum harten Gaumen ausgerichtet. Ausgehend von einem Winkel von 0° wird der Röntgenstrahl in einem Winkel zwischen 20° und 45° auf den Eckzahn ausgerichtet. Welcher Winkel gewählt wird, hängt von der Breite des Oberkiefers ab: Bei einem schmalen Oberkiefer sollte ein kleinerer Winkel verwendet werden. Ziel ist eine seitliche Darstellung des Eckzahns, ohne Überlagerungen durch den Conchakamm, benachbarte Schneidezähne und Prämolaren oder den harten Gaumen im Bereich der Wurzelspitze. ABBILDUNG (2B) Röntgenaufnahme der oberen Eckzähne.  ABBILDUNG 3A: Unterkiefereckzähne: Die Bildplatte und der Aufnahmewinkel werden wie bei den Oberkiefereckzähnen positioniert. Sobald alles korrekt ausgerichtet ist, wird der Röntgenstrahl in rostrokaudaler Richtung geneigt. Dadurch wird verhindert, dass der Eckzahn durch die Unterkiefersymphyse oder den gegenüberliegenden Unterkiefer überlagert wird. ABBILDUNG (3B) Röntgenaufnahme der mandibulären Eckzähne.  ABBILDUNG 4A: Ober- und Unterkieferprämolaren: Die Bildplatte wird über den Prämolaren parallel zum harten Gaumen positioniert. Ausgehend von einem Winkel von 0° wird der Röntgenstrahl in einem Winkel von 45° auf die Prämolaren ausgerichtet. ABBILDUNG (4B) Röntgenaufnahme der Oberkiefer-Prämolaren.  ABBILDUNG 5A: Vierter Oberkieferprämolar und Oberkiefermolaren: Die Bildplatte wird so weit wie möglich kaudal im Maul positioniert und parallel zum harten Gaumen ausgerichtet. Ausgehend von einem Winkel von 0° wird der Röntgenstrahl in einem Winkel von 45° auf den vierten Prämolaren und die Molaren ausgerichtet. Diese Projektion ermöglicht die Darstellung der distalen Wurzel, führt jedoch zu einer Überlagerung der mesiobukkalen und mesiopalatinalen Wurzeln des vierten Prämolaren. ABBILDUNG (5B) Röntgenaufnahme des vierten Prämolaren und der Molaren im Oberkiefer.  ABBILDUNG 6A: Vierter Oberkieferprämolar und Oberkiefermolaren: Es sind mindestens zwei Aufnahmen erforderlich, um die einzelnen Wurzeln des vierten Oberkieferprämolaren voneinander abzugrenzen. Die zweite Aufnahme erfolgt mit demselben Winkel von 45°, jedoch mit einer kaudorostralen oder rostrokaudalen Neigung des Röntgenstrahls. Dadurch können die mesialen Wurzeln getrennt dargestellt und besser beurteilt werden. ABBILDUNG (6B) Röntgenaufnahme des vierten Prämolaren und der Molaren im Oberkiefer – zweite Aufnahme.  ABBILDUNG 7A: Unterkiefermolaren: Die Bildplatte wird parallel zum Unterkieferkörper zwischen Unterkiefer und Zunge positioniert. Der Röntgenstrahl wird in einem 90°-Winkel zur Bildplatte ausgerichtet. Diese Projektion wird für Zähne verwendet, die kaudal (hinter) dem zweiten Unterkieferprämolaren liegen. ABBILDUNG (7B) Röntgenaufnahme der Prämolaren und Molaren im Unterkiefer.

Röntgenwinkeln und Positionierung bei Katzen

Die Winkel und Techniken entsprechen grundsätzlich denen für Hunde. Eine Ausnahme bilden die Oberkieferprämolaren und der erste Molar. Die zuvor beschriebene Projektion führt bei Katzen zu einer Überlagerung des Jochbogens über den Wurzelspitzen. Um dies zu vermeiden, können drei verschiedene Techniken angewendet werden (Abbildungen 8 bis 10).
 ABBILDUNG 8: Modifizierter konventioneller Ansatz: Die Bildplatte wird so weit wie möglich kaudal im Maul positioniert und parallel zum harten Gaumen ausgerichtet. Ausgehend von einem Winkel von 0° wird der Röntgenstrahl in einem Winkel von 60° rostrokaudal ausgerichtet.  ABBILDUNG 9A: Intraoraler, nahezu paralleler Ansatz: Die Bildplatte wird diagonal positioniert. Dabei liegt die Kante der Bildplatte palatinal der Oberkiefermolaren und lingual der Unterkiefermolaren, sodass die Oberkiefermolaren dargestellt werden können. Ausgehend von einem Winkel von 0° wird der Röntgenstrahl in einem Winkel von 70° auf die zu untersuchenden Molaren ausgerichtet. Die Bildplatte verläuft dabei nahezu parallel zu den Zahnwurzeln. ABBILDUNG (9B) Intraorale Röntgenaufnahme bei Katzen.  ABBILDUNG 10A: Extraoraler Ansatz: Der Patient befindet sich in Seitenlage, wobei der harte Gaumen senkrecht zum Behandlungstisch ausgerichtet ist und die Zielzähne möglichst nah am Tisch liegen. Die Bildplatte wird unterhalb der Zielzähne auf dem Tisch positioniert. Ein röntgendurchlässiger Mundspreizer hält das Maul geöffnet. Der Röntgenstrahl wird durch das Maul auf die Zielzähne ausgerichtet. Es werden keine festen Winkel verwendet; die Ausrichtung erfolgt anhand der direkten Sichtlinie. ABBILDUNG (10B) Extraorale Röntgenaufnahme bei Katzen. Literaturverzeichnis (zum Erweitern anklicken)
Kim, C., Lee, S., Kim, J., Park, H. 2013 Beurteilung zahnmedizinischer Anomalien mittels Vollmundröntgenaufnahmen bei Hunden kleiner Rassen. Journal of the American Animal Hospital Association, 49, 23–30
Kyllar, M. und Witter, K. 2012 Prävalenz von Zahnerkrankungen bei Haushunden. Veterinární Medicína, 50, 496–505
Lund, E., Armstrong, J., Kirk, C., Kolar, L.M. und Klausner, J.S. 1999 Gesundheitszustand und Populationsmerkmale von Hunden und Katzen, die in privaten Tierarztpraxen in den Vereinigten Staaten untersucht wurden. Journal of the American Veterinary Medical Association, 214, 1336–41
Verstraete, F., Kass, P. und Terpak, C. 1998a Diagnostischer Wert der Ganzmund-Röntgenaufnahme bei Hunden. American Journal of Veterinary Research, 59, 686–91
Verstraete, F., Kass, P. und Terpak, C. 1998b Diagnostischer Wert der Ganzmund-Röntgenaufnahme bei Katzen. American Journal of Veterinary Research, 59, 692–695
Woodward, T. 2009 Zahnärztliche Radiologie, Themen der Haustiermedizin, 24, 20–36