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10 Zeichen, dass Ihr Patient eine BOAS-Operation benötigt

Geschrieben von Dr Emma Chandley BVetMed PGCertSAS MRCVS | 18.02.2026

Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) ist eine häufige, aber schwerwiegende Erkrankung, die brachyzephale Hunderassen wie Bulldoggen, Möpse und Französische Bulldoggen betrifft. Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung, die unbehandelt zu einer erheblichen Morbidität führen kann. Das klinische Bild kann variieren, und während einige Patienten mit einer leichten Beeinträchtigung der Atemwege zurechtkommen, ist bei vielen ein chirurgischer Eingriff erforderlich, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Die richtigen Anzeichen für eine notwendige BOAS-Operation frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend für den Behandlungserfolg und ein wichtiger Bestandteil der täglichen Kleintierpraxis. 

Häufige Anzeichen dafür, dass ein Patient eine BOAS-Operation benötigt

1. Erhöhte Atemanstrengung und Stridor

Ein charakteristisches klinisches Merkmal des BOAS ist eine erhöhte Atemanstrengung, die oft schon in der Ruhe oder bei minimaler Anstrengung auftritt. Betroffene Patienten zeigen typischerweise einen ausgeprägten inspiratorischen Stridor, der auf eine partielle Obstruktion der oberen Atemwege hinweist. Dies - wird durch Umweltfaktoren wie Hitze, Aufregung oder körperliche Aktivität verstärkt. Die zugrunde liegende Pathologie umfasst häufig eine Kombination aus

  • einem verlängerten weichen Gaumen,
  • verengten Nasenlöchern,
  • abweichenden Nasenmuscheln und
  • in fortgeschrittenen Fällen einem Kehlkopfkollaps.

Die daraus resultierenden Atemwegsturbulenzen begünstigen sekundäre Schleimhautentzündungen und Ödeme, die einen Kreislauf aus fortschreitender Obstruktion und Atemnot verursachen.

2. Probleme bei körperlicher Anstrengung

Hunde, die an BOAS leiden, zeigen eine eingeschränkte Bewegungstoleranz, hecheln häufig übermäßig, sind sehr müde und scheuen sich, auch nur kurze Strecken zu gehen. Brachyzephale Rassen haben oftmals von Natur aus weniger Ausdauer. Zeigt ein Tier jedoch selbst bei milden Temperaturen eine starke Belastungsintoleranz, weist dies auf eine ernsthafte Beeinträchtigung der Atemwege hin. Ein erhöhter Atemwiderstand verlängert die Erholungszeit nach Belastung. Betroffene Tiere nehmen häufig entlastende Körperhaltungen ein, zum Beispiel die Brustlage, um besser Luft zu bekommen.

3. Wärmeempfindlichkeit

BOAS-Patienten sind aufgrund einer gestörten Thermoregulation besonders empfindlich gegenüber Wärme. Das Hecheln, der primäre Mechanismus zur Wärmeableitung bei Hunden, ist durch die Obstruktion der Atemwege stark beeinträchtigt, was die betroffenen Hunde für eine Hyperthermie prädisponiert. Diese Tiere hecheln häufig übermäßig, atmen mit offenem Maul und haben selbst bei milden Umgebungstemperaturen Schwierigkeiten, ein thermisches Gleichgewicht zu erreichen. In schweren Fällen führen unwirksame Kühlmechanismen zu einer Hitzeerschöpfung oder einem lebensbedrohlichen Hitzeschlag, der umgehend behandelt werden muss.

4. Häufiges Würgen, Aufstoßen oder Erbrechen

Ein erheblicher Anteil der BOAS-Patienten weist gleichzeitig eine gastrointestinale Funktionsstörung auf, die sich als chronisches Erbrechen, Regurgitation oder Dysphagie äußert. Diese klinischen Anzeichen sind häufig auf eine

  • gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD),
  • eine Hiatushernie oder
  • einen erhöhten intrathorakalen Unterdruck infolge eines erhöhten Atemwegswiderstands zurückzuführen.

Eine Entzündung der Speiseröhre, die durch häufiges Aufstoßen verschlimmert wird, kann zu anhaltendem Unwohlsein und vermindertem Appetit beitragen. Hunde mit wiederkehrenden gastrointestinalen Symptomen sollten einer gründlichen Untersuchung unterzogen werden, um das Ausmaß der damit einhergehenden Probleme festzustellen.

5. Schlafstörungen und Atemstillstand

BOAS führt häufig zu Schlafstörungen. Betroffene Tiere schlafen dann in unnatürlichen Positionen, etwa mit erhöhtem Kopf oder im Sitzen, um besser atmen zu können. Schlafapnoe-Episoden, die durch eine vorübergehende Unterbrechung der Atmung gekennzeichnet sind, werden häufig beobachtet und führen zu fragmentiertem Schlaf und daraus resultierender Lethargie am Tage. Zu den klinischen Anzeichen gehören übermäßiges Schnarchen, plötzliches Erwachen mit Keuchen oder Würgen und paradoxe Atemanstrengungen in Ruhe. Eine chronische Hypoxämie, die mit einer nächtlichen Atemwegsobstruktion einhergeht, kann bei den betroffenen Hunden zu systemischen Folgeerscheinungen, einschließlich kardiovaskulären Problemen, führen.

6. Zyanose und Kollaps

Eine intermittierende Zyanose, die sich durch eine bläuliche Verfärbung der Schleimhäute äußert, ist ein Zeichen für eine kritische Hypoxie und eine drohende respiratorische Dekompensation. Diese Episoden werden häufig durch einen erhöhten Atmungsbedarf bei Aufregung, Anstrengung oder Stress ausgelöst. In schweren Fällen führt die eingeschränkte Oxygenierung zu einer Synkope oder einem Kollaps, die ein sofortiges Eingreifen erfordert. Wiederkehrende zyanotische Verfärbungen weisen auf eine signifikante Obstruktion der Atemwege hin und erfordern eine sofortige diagnostische Abklärung, um das Risiko eines akuten Atemversagens zu mindern.

7. Schwere Verengung des Naseneinganges

Ein verengter Naseneingang behindert den Luftstrom erheblich und stellt einen wesentlichen Faktor für den erhöhten Widerstand der oberen Atemwege bei BOAS-Patienten dar. Hunde mit schwerer Stenose des Naseneinganges zeigen häufig eine anhaltende Mundatmung, übertriebene Atemanstrengungen und einen hörbaren Stertor. Der chronische erhöhte Nasenwiderstand macht eine kompensatorische Mundatmung erforderlich, die den betroffenen Patienten für eine weitere Austrocknung und Entzündung der Atemwege prädisponiert. Die chirurgische Behandlung einer signifikanten Stenose des Naseneinganges kann zu einer erheblichen Verbesserung der Luftstromdynamik und der Atmungsfunktion führen.

8. Larynxkollaps

Ein chronischer erhöhter Widerstand in den oberen Atemwegen prädisponiert die betroffenen Tiere für einen fortschreitenden Kehlkopfkollaps, eine schwere Folge des unbehandelten BOAS. Dieser Zustand wird in drei Stadien eingeteilt, wobei die anfänglichen Manifestationen eine Schwächung des Kehlkopfknorpels beinhalten und fortgeschrittene Stadien zu einer fast vollständigen Obstruktion der Atemwege führen. Zu den klinischen Indikatoren gehören fortschreitende Inspirationsanstrengung, ausgeprägter Stridor und wiederkehrende Atemnotanfälle. In den späteren Stadien führt die beeinträchtigte Durchgängigkeit der Glottis zu einer lebensbedrohlichen Obstruktion, die einen aggressiven Eingriff zur Wiederherstellung eines freien Atemweges erforderlich macht.

9. Keine anhaltende Verbesserung trotz Änderungen des Lebensstils

Während konservatives Management, einschließlich Gewichtsoptimierung, Umgebungsanpassung und pharmakologischer Intervention, in leichten Fällen vorübergehend Linderung verschaffen kann, deutet anhaltende Atemnot trotz dieser Maßnahmen auf eine signifikante anatomische Pathologie der Atemwege hin. Bei Hunden mit refraktären klinischen Symptomen, einschließlich anhaltender Belastungsdyspnoe, chronischer Regurgitation oder häufiger Atemwegsobstruktion, sind wahrscheinlich weitere Maßnahmen erforderlich, um eine fortschreitende Verschlechterung der Atemwege zu verhindern.

10. Progressive Verschlechterung mit zunehmendem Alter

BOAS ist eine dynamische Erkrankung, bei der sich die klinischen Symptome bei vielen Patienten im Laufe der Zeit zunehmend verschlimmern. Der chronische Atemwegswiderstand führt zu einer fortschreitenden strukturellen und funktionellen Komprimierung der Atemwege, die in einer erhöhten Atemanstrengung, einem sich verschlimmernden Stridor und wiederkehrendem Kollaps gipfelt. Tracheal- und Larynxkollaps als sekundäre Komplikationen verschärfen die klinische Verschlechterung. Eine regelmäßige Neubewertung der Atemwegsfunktion ist von entscheidender Bedeutung für die Bestimmung des Krankheitsverlaufs und die Umsetzung rechtzeitiger therapeutischer Strategien zur Optimierung der langfristigen Atemwegsgesundheit.

BOAS-Ausbildung: Warum eine verbesserte Schulung für Tierärzt*innen in der Erstbeurteilung notwendig ist

Die frühzeitige Identifikation klinischer BOAS-Anzeichen ermöglicht eine optimierte Patientenversorgung. Komplexe Fälle sollten Spezialist*innen überwiesen werden, während Allgemeinmediziner*innen ihre chirurgischen Fähigkeiten durch gezielte Fort- und Weiterbildungen erweitern können.

 

Die BOAS-Operation ist Bestandteil unseres Veterinärkurses Kleintierchirurgie und wird im Modul Chirurgie der oberen Atemwege, des Larynx und der Trachea vermittelt. Neben den theoretischen Grundlagen erwerben die Teilnehmenden auch praktische Erfahrung in der Durchführung atemwegskorrigierender Eingriffe.

Für Tierärzt*innen, die ihre chirurgischen Kompetenzen weiter vertiefen möchten, bietet das Zertifikat „General Practitioner in Small Animal Surgery“ eine fundierte und strukturierte Weiterbildung, die auch die Atemwegschirurgie umfasst.

Tierärzt*innen, die ihr Fachwissen weiter vertiefen möchten, bietet unser Programm Fortgeschrittene Weichteilchirurgie (ISVPS General Practitioner Advanced Certificate, GPAdvCert) die Möglichkeit, ihre chirurgischen Fähigkeiten über das Niveau eines klassischen Chirurgie-Zertifikats hinaus zu erweitern. Das modulare Programm wird von zertifizierten Expertinnen (ECVS- oder ACVS-Diplomat*innen) geleitet.

Auch wenn die Überweisung an Spezialist*innen oft sinnvoll ist, ermöglicht gezielte Fortbildung Tierärzt*innen einen sicheren Umgang mit BOAS. Dies verbessert die Versorgung brachyzephaler Patienten und ihre Lebensqualität nachhaltig.

 

Quellen:

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6067768/#:~:text=BOAS%20is%20characterized%20by%20clinical,cyanosis%2C%20hyperthermia%2C%20and%20syncope.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9673814/.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38952039/